"Zu Stabilität und Geschlossenheit zurückfinden"

RWE-Chef-Trainer Christian Neidhart vor Revierderby gegen FC Schalke 04 U23.

Neidhart: "Eine ganz andere Körpersprache ist gefragt." (Foto: Endberg)

Drei Siege, drei Remis, drei Niederlagen: Rot-Weiss Essens Punktspiel-Bilanz in diesem Jahr ist nicht optimal. Die Folge: Im Kampf um die Meisterschaft ist RWE jetzt in der Jäger-Rolle und muss aus den verbleibenden elf Ligapartien so viele Punkte wie möglich holen, um Spitzenreiter Borussia Dortmund U23 weiter unter Druck zu setzen. Bei Trainer Christian Neidhart liegt der Fokus aktuell aber nicht so sehr auf der Tabelle, sondern erst einmal auf der eigenen Leistung, die in den letzten Wochen nicht immer gestimmt hatte. So verloren die Rot-Weissen unter anderem durch zwei späte Gegentreffer in Ahlen (1:2) und Oberhausen (1:1) wertvollen Boden. Im aktuellen Interview spricht der 52-Jährige über diese Situation.

Hallo Christian! Wegen des späten Gegentreffers in der Nachspielzeit musste sich RWE im Derby bei Rot-Weiß Oberhausen mit einem 1:1 begnügen. Wie fällt - mit einigen Tagen Abstand - Deine Analyse aus?
Ich habe mir direkt am Sonntag das Spiel noch einmal auf Video angeschaut. Fakt ist, dass wir in der zweiten Halbzeit viel zu passiv waren und auch zu defensiv gespielt haben. Dabei war das gar nicht unser Ansatz. Wir hatten keine gute Raumaufteilung, die Spieleröffnung ließ zu wünschen übrig, wir waren nicht mutig. Dennoch hätten wir die Partie für uns entscheiden müssen, wenn wir auch nur eine unserer zahlreiche Konterchancen besser ausgespielt hätten. Auch in der Schlussphase standen wir viel zu tief und sind dafür mit dem berechtigten Elfmeter bestraft worden.

Also hatte Sich das Team - ähnlich wie zuvor beim 1:2 in Ahlen - den Nackenschlag in der Schlussphase selbst zuzuschreiben?
Definitiv. Das darf uns einfach nicht passieren. Das habe ich den Jungs auch zu Beginn der Woche deutlich zu verstehen gegeben.

Wie ist die Ansprache ausgefallen?
Zu Beginn dieser Trainingswoche wurde Tacheles gesprochen. Ich habe ganz klar gesagt, dass es so wie in den letzten Spielen nicht geht. Das betrifft das Verteidigen des eigenen Tores, aber auch das Angreifen, um den Gegner unter Druck zu setzen. Und es betrifft die Konsequenz im Abschluss. Das war eindeutig zu wenig.

Wie haben die Spieler reagiert?
Es war eine eher einseitige Ansprache von mir. Da habe ich keine Reaktionen des Teams erwartet. Jeder muss sich vielmehr selbst hinterfragen, ob er alles abgerufen hat und was er zum Erfolg der Mannschaft beitragen kann und muss. Die Antworten müssen die Spieler auf dem Platz geben. Am besten schon gegen Schalke.

Du hattest nach dem Oberhausen-Spiel öffentlich auch harte Kritik an Kapitän Marco Kehl-Gomez wegen der fünften Gelben Karte geübt!
Wenn man sich völlig unnötig eine solche Verwarnung einhandelt und damit die Mannschaft schwächt, dann muss man sich solche Kritik auch anhören und gefallen lassen. Es fehlt uns jetzt zum dritten Mal hintereinander ein Stammspieler wegen einer Gelbsperre, das ist nicht förderlich.

Wie schwer wiegt der Ausfall?
Wenn der Kapitän fehlt, ist das immer schmerzlich. Hinzu kommt, dass Marco nach wie vor in einer sehr guten Verfassung und immer in der Lage ist, auch bis zur 90. Minute weite Wege zu gehen. Das hat er gerade auch in Oberhausen wieder gezeigt. Deshalb ist sein Ausfall umso ärgerlicher.

Hinzu kommt, dass auf der rechten Defensivseite, wo Kehl-Gomez zuletzt zum Einsatz die Alternativen nicht so zahlreich sind. Wie ist der aktuelle Stand?
Sandro Plechaty wird uns wegen seines Knorpelschadens noch einige Zeit fehlen. Wir haben zwar die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass er uns in dieser Saison noch zur Verfügung stehen kann. Für die kommenden Partien ist er aber noch keine Option. David Sauerland macht im Training weitere Fortschritte, ist inzwischen auch bei allen Spielformen voll dabei. Dennoch benötigt er noch etwas Zeit, um seinen Rückstand aufzuholen. Bevor er in der Meisterschaft wieder voll eingreifen kann, müsste er eigentlich erst einmal das eine oder andere Testspiel über 90 Minuten bestreiten. Das ist aktuell aber kaum zu realisieren. Ich bin mir aber sicher, dass wir auch so eine gute Lösung für das Schalke-Spiel finden werden. In Oberhausen kamen Felix Herzenbruch und Jan Neuwirt neu ins Team und haben ihre Sache unter dem Strich gut gemacht.

Gibt es noch weitere personelle Probleme?
Alexander Hahn steht uns bekanntlich wegen seiner Corona-Quarantäne gegen Schalke und auch beim nächsten Spiel in Rödinghausen nicht zur Verfügung. Kevin Grund und Marcel Platzek klagten zu Wochenbeginn noch über Knieprobleme.

Im Hinspiel gegen Schalke sprang dank eines späten Kopfballtreffers von Daniel Heber ein 1:1 heraus. Wie schätzt Du den Gegner jetzt ein?
Mit dem Gegner sollten wir uns nicht so sehr beschäftigen, sondern uns nur auf unsere eigene Leistung konzentrieren. Dafür müssen wir wieder zu der Stabilität und Geschlossenheit zurückfinden, die uns über die gesamte Saison ausgezeichnet hat. Auch eine ganz andere Körpersprache ist gefragt. Dann haben wir auch gute Chancen, unser Heimspiel gegen Schalke zu gewinnen und in dieser Saison noch so viele Punkte wie möglich zu holen.