"Wollen unser Spiel durchsetzen!"

Cheftrainer Christian Titz vor dem Heimspiel gegen Bonner SC.

Chef-Trainer Christian Titz und sein Co Andre Kilian. (Foto: Endberg)

Zum zweiten Mal innerhalb von acht Tagen hat Rot-Weiss Essen die Chance, mindestens für eine Nacht die Tabellenführung in der Regionalliga West zu übernehmen. Am heutigen Freitag, 19.30 Uhr, ist der Bonner SC unter Flutlicht nach der Hafenstraße zu Gast. Die Mannschaft von RWE-Cheftrainer Christian Titz hat sich fest vorgenommen, auch das vierte Liga-Heimspiel der Saison 2019/2020 siegreich zu gestalten und ihre positive Serie fortzusetzen. Vor dem Duell mit dem BSC nimmt Christian Titz im Interview mit der „kurzen fuffzehn“ ausführlich Stellung.

Hallo Christian! Beim 4:2-Auswärtserfolg in Lippstadt haben die eingewechselten Spieler erneut für insgesamt drei Tore gesorgt. Mal ehrlich: Was ist Dein Geheimnis?

Dass unsere Einwechselspieler nicht zum ersten Mal entscheidende Impulse gebracht haben, freut mich in erster Linie für die Jungs. Es ist doch so: Wer nicht von Beginn an spielt, ist erst einmal nicht erfreut. Umso bemerkenswerter ist es dann, wenn es gelingt, diese Enttäuschung auf dem Platz sofort in positive Energie umzuwandeln. Dass wir bislang in dieser Saison mit unseren Ein- und Auswechslungen sehr erfolgreich waren, ist in erster Linie der Qualität unserer Spieler geschuldet. Wir haben nicht nur elf, sondern mehr als 20 Spieler, die der Mannschaft entscheidend helfen können. Davon profitieren letztlich alle.

Dennoch ist es nicht unbedingt zwingend, nach einer guten halben Stunde beim Stand von 0:1 einen Flügelstürmer für einen Innenverteidiger zu bringen,
oder?

Das sieht vielleicht auf den ersten Blick so aus. Für uns als Trainerteam war es jedoch eine naheliegende Lösung. In der Abwehr wollten wir auf ein weiteres schnelles Element umstellen, im Gegenzug war die Partie in der Offensive wie gemalt für einen pfeilschnellen Spieler wie Ayodele Adetula, der immer wieder in freie Räume stoßen konnte. Von daher war auch dieser Wechsel naheliegend.

Zumindest bis zur Mitte der zweiten Halbzeit stand die Partie auf der Kippe. Wie fällt insgesamt Dein Fazit aus?

Der SV Lippstadt 08 hat wirklich gut und mutig gespielt, hat damit meinen Eindruck aus den Beobachtungen durchaus bestätigt. Dennoch muss ich sagen, dass wir schon in der ersten Halbzeit mindestens sieben sehr gute Einschussmöglichkeiten hatten, um das Spiel frühzeitig für uns zu entscheiden. Wir hatten erneut mehr Spielanteile und ein klares Chancenplus. Von daher war auch dieser Sieg hochverdient.

Die große Konkurrenzsituation sorgte zuletzt dafür, dass ein langjähriger Stammspieler wie Marcel Platzek nicht einmal zum Kader gehörte. Wie hat er die Entscheidung aufgenommen?

Platzo hat das sehr gut aufgenommen und positiv reagiert. Er ist ein feiner Kerl und guter Charakter. Mir tut es für ihn - genau wie für andere Spieler - persönlich leid, wenn sie trotz guter Trainingsleistungen nicht zum Aufgebot gehören. Wenn nahezu alle Spieler fit sind, müssen wir oft auch schmerzhafte Entscheidungen treffen. Wir werden im Laufe der Saison aber noch froh sein, diese Spieler zu haben. Jeder aus dem Kader wird noch gebraucht.

Allerdings habt ihr euch zuletzt auch weiterhin nach Verstärkungen umgesehen, wie der eine oder andere Probespieler gezeigt hat!

Das ist doch unser Job. Wir machen auch keinen Hehl daraus: Wenn wir einen Spieler finden, der unser Team auch perspektivisch weiterbringt, dann kann es durchaus sein, dass wir noch einmal tätig werden. Wir müssen aber nicht, denn unser Kader ist auch so gut aufgestellt. Das haben die letzten Wochen gezeigt.

Auch vor dem heutigen Heimspiel gegen den Bonner SC hattest Du wieder die Qual der Wahl. Was erwartest Du für eine Partie?

Wir sind darauf eingestellt, dass es erneut ein Spiel mit Pokal-Charakter sein wird. So gehen unsere Gegner jedenfalls regelmäßig in die Partien gegen uns. Bei einigen Teams war es sogar so, dass sie jeweils eigens für das Duell mit RWE ihre normale Spielweise umstellen. Und sie lassen über die gesamten 90 Minuten nicht nach. Dabei spielt sicher auch das große Publikum an der Hafenstraße eine Rolle, das nicht nur die eigene Mannschaft, sondern auch den jeweiligen Gegner beflügeln kann.

Welche Stärken hast Du beim Bonner SC ausgemacht?


Ich gehe davon aus, dass wir auf einen tiefstehenden und sehr kompakten Gegner treffen werden, der außerdem über gute und schnelle Konterspieler verfügt. Da müssen wir auf der Hut sein. Grundsätzlich sollten wir uns aber nicht so viel mit dem Gegner beschäftigen, sondern daran arbeiten, unser Spiel durchzudrücken. Wenn uns das gelingt, dann haben wir auch gute Chancen, den Platz als Sieger zu verlassen.

Müssen sich die Fans möglicherweise auf ein Geduldspiel einstellen?

Es kann schon sein, dass es mal etwas länger dauert, um sich klare Torchancen herauszuspielen. Zuletzt hat es die Mannschaft aber sehr gut gemacht. Es ist unser Ziel, das Spiel zu bestimmen, viel Ballbesitz zu haben und uns in der Endzone festzusetzen. Dann sollten wir uns auch gute Möglichkeiten erspielen können.

Erst ein knappes Viertel der Saison ist absolviert. Wie bewertest Du bislang die Regionalliga West?


Ich finde, die Liga ist sehr ausgeglichen. Die Spiele sind eng, vermeintliche Spaziergänge gibt es gegen keinen Gegner. Gut finde ich, dass viele Teams sehr mutig auftreten und versuchen, den Partien ihren Stempel aufzudrücken. Wir alle können uns auf eine spannende Saison und noch viele packende Spiele freuen.