„Wir sind auf einem guten Weg“

RWE-Cheftrainer Sven Demandt vor dem Derby gegen Rot-Weiß Oberhausen

Am Samstag empfängt Rot-Weiss Essen den Revierrivalen Rot-Weiß Oberhausen an der Hafenstraße.

Endspurt! Die Saison 2016/2017 befindet sich auf der Zielgeraden. Für Rot-Weiss Essen stehen in der Regionalliga West noch das heutige Derby gegen Rot-Weiß Oberhausen und am 20. Mai das Gastspiel beim Absteiger TSG Sprockhövel auf dem Programm, ehe es am 25. Mai (Christi Himmelfahrt) ab 17.00 Uhr im Endspiel um den Niederrheinpokal an der Hafenstraße gegen den Drittliga-Spitzenreiter und künftigen Zweitligisten MSV Duisburg geht. Die Ziele sind klar: Cheftrainer Sven Demandt möchte mit seinem Team durch einen positiven Saisonabschluss zumindest den fünften Tabellenplatz in der Liga behaupten und schließlich am „Vatertag“ den Pokal-Hattrick perfekt machen. Vor dem Duell mit RWO nimmt Sven Demandt im ausführlichen Interview mit der „kurzen fuffzehn“ Stellung.

Hallo Sven! Zwei Spieltage vor dem Saisonende in der Regionalliga West belegt Rot-Weiss Essen den fünften Tabellenplatz, hat damit gute Chancen, die Saison - ein Jahr nach dem Fast-Abstieg - im oberen Tabellendrittel zu beenden. Außerdem steht die Qualifikation für den DFB-Pokal bereits fest. Sind damit bereits alle Saisonziele erreicht?

Sven Demandt: Ich will es mal so sagen. Vieles von dem, was wir uns vor Saisonbeginn vorgenommen hatten, ist eingetroffen und hat bereits ganz gut funktioniert. Klar ist aber auch: Es gibt noch einiges zu verbessern.


Wo siehst Du im Hinblick auf die nächste Saison die wichtigsten Ansatzpunkte?

SD: Es ist kein Geheimnis, dass wir zu oft remis gespielt haben, obwohl wir dabei oft ganz nah am Sieg waren. Dafür war auch das jüngste 0:0 bei der SG Wattenscheid 09 wieder einmal ein passendes Beispiel. Wir haben ein ordentliches bis gutes Spiel hingelegt, aber erneut unsere Chancen nicht genutzt. Dabei hatten die Jungs bis zum Schluss den nötigen Siegeswillen gezeigt. Insgesamt haben wir schon zehnmal kein Tor erzielt. Mal hakte es im Abschluss, mal beim letzten Pass. Daran müssen wir arbeiten.

Fehlt also in der Offensive auch die notwendige Qualität?

SD: Zum Teil ist das sicher so. Darauf werden wir bei der Kaderplanung ganz sicher besonders achten. Man darf aber auch nicht vergessen, dass uns gerade im Offensivbereich einiges an Qualität weggebrochen ist. Frank Löning beispielsweise war nach seinen starken Leistungen während der vergangenen Rückrunde und während der Vorbereitung auf die laufende Saison fest eingeplant, stand aber nur selten und nach der Winterpause gar nicht mehr zur Verfügung. Verletzungsbedingt musste auch Kamil Bednarski lange Zeit pausieren, Tolga Cokkosan und Jeffrey Obst waren ebenfalls außer Gefecht. Zuletzt hat es dann auch noch Roussel Ngankam erwischt. Da ist schon jede Menge Pech zusammengekommen. Dennoch gibt es ohne Zweifel Luft nach oben.

Was nimmst Du Positives mit?

SD: Wir haben nur sieben von 32 Spielen verloren - genau wie Meister FC Viktoria Köln übrigens. Nach der Winterpause gab es sogar nur noch zwei Niederlagen. Wir sind also schwer zu besiegen, weil die Defensive bereits sehr gut funktioniert. Im neuen Jahr haben wir die wenigsten Gegentore aller West-Regionalligisten kassiert. Der Charakter der Mannschaft stimmt. Außerdem ist es nicht zu leugnen, dass die Entwicklung insgesamt positiv verläuft. Nach aktuellem Stand haben wir in der Rückserie drei Punkte mehr geholt als während der Hinserie. Daran wollen wir auch in den verbleibenden Partien anknüpfen.

Wie zufrieden bist Du mit dem aktuellen Stand der Personalplanungen?

SD: Wir haben bereits zwei Torhüter und 13 Feldspieler für die neue Saison unter Vertrag. Das ist schon mal ein gutes Gerüst. In Wattenscheid standen neun Spieler in der Startformation, die auch über das Saisonende hinaus an den Verein gebunden sind. Für die noch offenen Positionen im Kader haben wir eine Menge Ideen und werden in den nächsten Wochen sehen, was sich davon im Rahmen unserer Möglichkeiten umsetzen lässt, um das Team zu verbessern. Dabei geht Qualität vor Quantität. Ich denke, wir sind da auf einem guten Weg.

Sportlich steht in den verbleibenden Partien nicht mehr ganz so viel auf dem Spiel. Kann die Mannschaft also ohne den großen Druck aufspielen?

SD: Ich denke schon. Auf uns warten noch einige schöne Spiele, in denen wir bestmöglich abschneiden wollen. Das gilt selbstverständlich auch für das heutige Derby gegen RWO. Nicht zuletzt wegen des Familientages an der Hafenstraße wird es bestimmt einen großen Zuschauerzuspruch geben. Den Fans, die uns in dieser Saison sensationell unterstützt haben, wollen wir Freude bereiten und die drei Punkte unbedingt in Essen behalten. Gerade zu Hause haben wir viele recht mühsame Spiele gezeigt. Das wollen wir in Zukunft anders hinkriegen.

Ist es ein wenig bezeichnend, dass RWE auswärts bislang nur einen Punkt weniger geholt hat als an der Hafenstraße?

SD: Da will ich nicht komplett widersprechen. Manchmal sind die Jungs mit unserem Publikum im Rücken nicht so frei, wie es sein sollte, um die bestmögliche Leistung abzurufen. Auch dort werden wir den Hebel ansetzen und versuchen, künftig noch mehr herauszuholen.

Rot-Weiß Oberhausen musste kürzlich mit dem Pokal-Aus gegen den MSV Duisburg eine herbe Enttäuschung hinnehmen. Wie schätzt Du den Gegner ein?

SD: Wir treffen auf eine starke Mannschaft, die ihr Potenzial vor allem nach der Winterpause deutlich gezeigt hat. Immerhin ist RWO nach wir vor das beste Rückrundenteam. Der Gegner will sich im heutigen Derby unbedingt zeigen und uns das Leben schwermachen. Da müssen wir dagegenhalten.

Nach dem letzten Saisonspiel bei der TSG Sprockhövel wartet am 25. Mai als krönender Abschluss noch das Niederrheinpokal-Finale an der Hafenstraße gegen den MSV Duisburg. Dank des guten Abschneidens der „Zebras“ in der 3. Liga sind beide Vereine schon für den DFB-Pokal qualifiziert. Wie hoch ist dennoch die Motivation, den „Pott“ zum dritten Mal in Folge in Essen zu behalten?

SD: Auf jeden Fall sehr hoch. Wir spielen zu Hause, die Hütte wird voll sein und wir haben die Chance, erneut den Pokal in die Höhe zu recken. Dafür werden wir alles geben. Keine Frage: Der Pokalsieg wäre das i-Tüpfelchen auf einer insgesamt positiven Saison.