„Wir brennen auf das Spiel“

RWE-Cheftrainer Karsten Neitzel vor Heimspiel gegen Spitzenreiter FC Viktoria Köln.

Chef-Trainer Karsten Neitzel vor der Partie gegen Viktoria Köln. (Foto: Endberg)

Top-Spiel an der Hafenstraße: Mit dem FC Viktoria Köln stellt sich heute der Vizemeister, Titelfavorit und aktuelle Tabellenführer bei Rot-Weiss Essen vor. Mit den eigenen Fans im Rücken möchte das Team von RWE-Chef-Trainer Karsten Neitzel nach dem Sieg bei der SSVg Velbert im Niederrheinpokal auch in der Liga möglichst dreifach punkten. Vor dem Duell mit dem Meisterschaftsfavoriten sprachen wir mit Karsten Neitzel.

Hallo Karsten! Wie groß war die Erleichterung nach dem 2:1-Erfolg im Niederrheinpokal bei der SSVg Velbert?

Wie sagt man so schön: Für Siege gibt es keinen Ersatz. Und da ist es auch egal, gegen wen es geht und zu welcher Zeit. Fakt ist, dass wir auf eine sehr gute Oberliga-Mannschaft getroffen sind und es vor allem in der ersten Halbzeit auch fußballerisch gut gemacht haben. Nach der Pause haben wir für etwa 10 Minuten die Ordnung verloren, unter dem Strich zählt jedoch das Weiterkommen. Nur darum geht es letztlich im Pokalwettbewerb.


Bist Du die Partie mit dem Team genau wie ein Ligaspiel angegangen?

Auf jeden Fall. Zum einen haben wir auch im Pokal hohe Ziele, zum anderen wussten wir ganz genau, dass wir auf einen starken Gegner treffen. Velbert hat schließlich nicht von ungefähr auswärts beim Titelverteidiger Rot-Weiß Oberhausen gewonnen.


Im Vergleich zur Partie gegen Alemannia Aachen gab es vier Umstellungen. Neben Robin Heller und den beiden Torschützen Kai Pröger und Nico Lucas rückte auch Boris Tomiak in der Abwehr neu ins Team, ersetzte Timo Becker. Warum?

Man darf nicht vergessen, dass Timo noch ein sehr junger Spieler ist, der zuvor alle Partien mitgemacht hatte. Deshalb war ich der Meinung, dass ihm eine Pause guttun könnte. Boris hat zudem im Training in den letzten Wochen einen guten Eindruck gemacht, den er im Spiel gegen Velbert dann auch bestätigt hat.

Gleich im ersten Spiel nach seiner Rotsperre erzielte Kai Pröger den sehenswerten Führungstreffer. Wie hat Dir sein Comeback gefallen?

Zu Beginn benötigte Kai schon etwas Anlaufzeit, er war jetzt schließlich einige Wochen raus. Das Tor hat ihm - und uns allen – gutgetan. Wir wissen um die Qualität von Kai und sind natürlich sehr froh, dass er wieder dabei ist.

Welche Schlüsse hast Du aus den letzten Spielen gezogen?

In dieser Liga entscheiden in fast allen Spielen nur Kleinigkeiten. In jeder Begegnung ist alles möglich. Das ist auch unabhängig davon, ob Du auf den Spitzenreiter, den Tabellenachten oder das Schlusslicht triffst. Wer nicht seine beste Leistung abruft oder seine Chancen nicht verwertet, geht als Verlierer vom Platz. Gegen Gladbach und Aachen ist es uns jeweils nicht gelungen, ein Tor zu erzielen, was für uns eher ungewöhnlich ist. Das wurde dann prompt bestraft.

Die Viktoria ist Tabellenführer, gilt als Aufstiegsfavorit. Trifft RWE auf die beste Mannschaft der Liga?

Mein Kollege Patrick Glöckner verfügt auf jeden Fall über den am besten besetzten Kader der Liga. Vom Torwart bis zum Linksaußen ist das Team individuell sehr stark. Das heißt aber nicht, dass wir die Kölner nicht schlagen können. Wir trauen uns  das als Mannschaft auf jeden Fall zu und haben uns einen Plan zurechtgelegt, wie es gelingen kann.

Erstmals seit längerer Zeit geht RWE nicht unbedingt als Favorit ins Spiel. Könnte sich das positiv auswirken?

Vom Kopf her sind wir in der Tat in einer etwas anderen Situation als sonst. Wir werden versuchen, das auszunutzen. Es wird der Mannschaft auf jeden Fall guttun, wenn das ganze Stadion geschlossen hinter uns steht. Jedes auch noch so kleine Erfolgserlebnis kann ein wichtiger Schritt sein. In den letzten Wochen hat man manchmal schon gemerkt, dass die Jungs mit dem Ballast der gestiegenen Erwartungshaltung zu kämpfen hatten. In dieser Trainingswoche habe ich eher das Gefühl, dass die Jungs einfach darauf brennen, hier am Samstag im eigenen Haus gegen den Aufstiegsfavoriten anzutreten.

Welche Rolle können die Fans heute spielen?

Ich habe gehört, dass die Fans sich vor dem Spiel zusammen einstimmen und das Motto ausgegeben haben, gemeinsam ins Spiel zu gehen. Das ist aus meiner Sicht genau der richtige Ansatz. Hier in Essen geht es nur gemeinsam, erst recht gegen eine Mannschaft wie Viktoria Köln. Daher freuen wir uns wieder extrem auf das Heimspiel und die Unterstützung von den Rängen. Die Atmosphäre kann in Duellen auf Messers Schneide schließlich den Ausschlag geben.  

Inwiefern stimmt es positiv, dass nach und nach Verletzte zurückkehren?

Natürlich freut man sich darüber. Uns sind schließlich schon vor oder gleich zu Beginn der Saison mit Cedric Harenbrock, David Jansen und Kevin Freiberger einige Offensivspieler weggebrochen. Wenn dann gleichzeitig auch noch Marcel Platzek und Kai Pröger fehlen, merkt man das selbstverständlich. Allerdings muss ich auch sagen, dass wir dennoch in allen Spielen die Chance hatten, die Partien in unsere Richtung zu lenken. Wir haben aber zu viele Tormöglichkeiten ausgelassen und sind dafür bestraft worden. Jetzt freuen wir uns natürlich darüber, in den nächsten Wochen wieder mehr Optionen zu haben.

Marcel Platzek hat vor etwas über einer Woche zumindest mit dem Lauftraining begonnen. Ist er schon eine Option für das Viktoria-Spiel?

Wir haben im Laufe dieser Woche die Belastung und die Trainingsumfänge nach und nach gesteigert. Es macht aber nur Sinn, ihn in den Kader zu nehmen, wenn er vorher schon voll mit der Mannschaft trainieren konnte. Auf keinen Fall werden wir ein Risiko eingehen. Wenn es besser ist, noch eine Woche mit einem Einsatz zu warten, dann werden wir uns danach richten.


Bei wem ist denn ebenfalls Besserung in Sicht?

Bei David Jansen ist die Rückkehr ins Mannschaftstraining ebenso absehbar, wie bei Tolga Cokkosan. Cedric Harenbrock macht sogar schon jetzt viele Übungen mit. Er ist dabei auf einem sehr guten Weg. Dennoch werden wir nicht den Fehler machen und ihn zu früh wieder reinwerfen. Wir haben aber schon die Hoffnung, dass er uns bald wieder zur Verfügung stehen könnte.


Gab es eine besondere Vorbereitung auf das Top-Spiel?

Wir haben uns natürlich gezielt auf den Gegner vorbereitet, wie wir es immer tun. Wir wissen, was auf uns zukommt und gehen topmotiviert in die Partie.