Werner Kik schwärmt noch heute von der Bundesliga-Atmosphäre

Mitglied der RWE-Jahrhundertelf wird heute 80 Jahre alt

Werner Kik lief 293 Mal für RWE auf.

Werner Kik kam zur Saison 1960/61 für eine Ablösesumme von 2.100 DM vom TuS Hamm Heesen an die Essener Hafenstraße. Von 1960 bis 1970 spielte der Vermessungstechniker zuerst als Mittelstürmer, wurde dann aber erfolgreich zum Verteidiger umgeschult. 1970 beendete er seine Karriere nach 293 Spielen für RWE in der Oberliga West, 2. Liga West, Regionalliga West und 1. Bundesliga. Er schoss dabei insgesamt 21 Tore.

Unter Trainer Willi Multhaup debütierte Werner Kik am 14. August 1960 beim Heimspielauftakt gegen Preußen Münster in der Oberliga West. Er bildete zusammen mit Halbstürmer Franz „Penny“ Islacker beim 3:0-Erfolg den rechten Flügel des RWE-Teams. Fritz Herkenrath hütete das Tor, Otto Rehhagel, der auch neu an der Hafenstraße war, verteidigte. Heinz Wewers dirigierte die Abwehr und Heinz Hornig sorgte am linken Flügel für Gefahr. Nach dem letzten Spieltag am 13. Mai 1961 musste RWE dennoch mit einem Punkt Rückstand auf den SV Sodingen in die 2. Liga West absteigen.
Werner Kik, der 21 Spiele absolviert und ein Tor geschossen hatte, blieb auch nach dem Abstieg aus der damals höchsten deutschen Spielklasse bei RWE. Es sollte noch fünf Jahre bis zum Aufstieg in die neue höchste deutsche Spielklasse dauern.
Erst unter Trainer Fritz Pliska gelang am Ende der Saison 1965/66 der Einzug in die Bundesliga. Er hatte den Stürmer zum Verteidiger umgeschult, der auf seiner neuen Position 30 Regionalligaspiele und alle sechs Aufstiegsspiele absolvierte.

Zwei Jahre Bundesliga

Werner Kik weiß, wie Bundesliga-Atmosphäre im Georg-Melches-Stadion aussieht: volle Ränge, großartige Stimmung. In der Saison 1966/67 spielte Essen in der Bundesliga, musste aber als Tabellenletzter gleich wieder zurück in die Regionalliga West. Werner Kik hatte 32 Spiele absolviert und wird in der Spielerbenotung der Saison mit dem Durchschnittswert von 2,34 hinter Franz Beckenbauer von Bayern München notengleich mit Torwart Horst Wolter vom deutschen Meister Eintracht Braunschweig auf dem zweiten Rang geführt.
In der Saison 1969/70 versuchte der Traditionsklub aus Bergeborbeck zum zweiten Mal sein Glück in der Bundesliga und sicherte sich mit dem 12. Platz die Klasse, in 28 Spielen lief Werner Kik dabei für RWE auf.
Danach zog der Mann, der in seiner Karriere an der Seite von Stars wie Fritz Herkenrath, Penny Islacker, Heinz Wewers, Otto Rehhagel und Willi Lippens kickte, mit 31 Jahren einen Schlussstrich. Keine Verletzung zwang ihn dazu, sondern der Wunsch, beruflich als Berg-Vermessungs-Ingenieur bei der Ruhrkohle Fuß zu fassen. Und die Erklärung ist für ihn ganz einfach: „Heute haben die Fußballer alle keinen zusätzlichen Beruf, da hätte ich dann auch noch weitergespielt. Ich war noch topfit.“ Erst zwei Jahre später gab der DFB die Obergrenze für Gehälter von 1.200 DM/Monat auf.

Abschied vom Halbprofitum

Werner Kik ist einer der letzten Spieler, an dem deutlich wird, wie das „System Melches“ funktionierte. Georg Melches hatte zwischen 1948 und bis weit in die Mitte der 1950er Jahre sukzessive eine Spitzenmannschaft aufgebaut, die 1953 mit dem DFB-Pokalerfolg und 1955 mit dem Gewinn der deutschen Meisterschaft ihren Höhepunkt erreichte. Ihm gelang es im System des Vertragsspielertums, bei dem der bürgerliche Beruf die eigentliche wirtschaftliche Existenzgrundlage darstellen sollte, mit attraktiven Arbeitsplätzen Spitzenspieler an die Hafenstraße zu holen.
So auch Werner Kik. RWE-Geschäftsführer Paul Nikelski war auf ihn aufmerksam geworden und scoutete ihn gemeinsam mit dem damaligen Spielausschussleiter Koch. Kurz darauf schaute sich auch Georg Melches mit Hermann Rüdiger von Coca Cola ein Spiel von Werner Kik an. Dort war bereits Otto Rehhagel als Maler und Lackierer angestellt worden.
„Ich habe an dem Tag gar nicht so gut gespielt, aber trotzdem kam Melches danach zu unserer Wohnung“, erzählt Kik. Er hatte gerade eine Ausbildung zum Vermessungstechniker absolviert und sein Vater wollte, dass er auch eine Arbeitsstelle bekommen sollte. Melches sagte: „Das machen wir schon.“ Darauf der Vater: „Können Sie das einfach so sagen?“ Melches bekräftigte nur: „Ja, ja, das machen wir schon.“
Werner Kik wurde in Essen Vermessungssteiger bei der Hoesch Bergbau AG mit Sitz auf der Gladbecker Straße. Außerdem gab es immer wieder Vergünstigen, wie Sonderurlaub zu Bundesligazeiten, wobei der Verdienstausfall dann vom Verein übernommen wurde oder die Übernahme der Kosten bei einem Möbelkauf.
Auch wenn es keine großen Summen im Vergleich zu den heutigen Einkünften selbst in unteren Spielklassen gab, meint der Jubilar, dass er Riesenglück hatte.

Mitglied der RWE-Jahrhundertelf

Werner Kik, der Mitbegründer der Traditionsmannschaft ist, war von 1995 an für zwei Jahre im Verwaltungsrat von Rot-Weiss Essen und kümmerte sich danach noch eine Zeit um die RWE-Jugend. Für die Fans im Georg-Melches-Stadion wurde Werner Kik zur Identifikationsfigur. Ein Vorbild an Fleiß, Einsatz und Zuverlässigkeit, der die Tradition des einst von Bergleuten und Bergwerksangestellten gegründeten Vereins gleichsam fortsetzte. Und so wählten sie ihn 2007 auch in die Jahrhundertelf.

(Uwe Wick/Georg Schrepper)