Vor 60 Jahren: Drei Essener im WM-Aufgebot 1958

Rot-Weiss Essen und die Fußballnationalmannschaft, da fällt jedem natürlich sofort Helmut Rahn und das zum Jahrhunderttor gewählte 3:2 im WM-Endspiel 1954 von Bern ein. Es spielten in den 1950er Jahren aber noch weitere RWE-Spieler im Nationaltrikot. Bei der Weltmeisterschaft 1958 vor 60 Jahren in Schweden waren sogar drei rot-weisse Spieler im Nationalmannschaftskader.

RWE-Torwart Fritz Herkenrath im DFB-Shirt.

Ein Rückblick: Zur Spielzeit 1951/52 wechselten Helmut Rahn von den Sportfreunden Katernberg und Berni Termath von Preußen Hameln zu Rot-Weiss Essen. Schon wenige Monate später (21.1.1951) gaben beide auch ihr Debüt im Nationaltrikot beim 2:0-Sieg in der Türkei. Einen Monat später trugen sich beide Stürmer beim 4:1 Erfolg gegen Luxemburg in die Torschützenliste der Nationalmannschaft ein. Außerdem debütierte RWE-Stopper Heinz Wewers und so spielten bei der Essener Länderspielprämiere im Stadion Uhlenkrug gleich drei Spieler von der Hafenstraße im Nationaltrikot. Insgesamt acht Spieler von Rot-Weiss Essen standen in der 1950er Jahren in der deutschen Fußballnationalmannschaft:

Helmut Rahn, Deutschland, 1951-1959, 34 Spiele / 19 Tore, gesamt (40/21)
Fritz Herkenrath, Deutschland, 1954-1958, 21 Spiele / 0 Tore    
Heinz Wewers, Deutschland, 1951-1958, 12 Spiele / 1 Tor    
Bernhard Termath, Deutschland, 1951-1954, 7 Spiele / 4 Tore    
Clemens Wientjes, Deutschland, 1952, 2 Spiele / 0 Tore    
Franz Islacker, Deutschland, 1952, 1 Spiel / 0 Tore    
Willi Köchling, Deutschland, 1956, 1 Spiel / 0 Tore    
Walter Zastrau, Deutschland, 1958, 1 Spiel / 0 Tore    

Den größten Erfolg im DFB-Dress erzielte „Boss“ Helmut Rahn mit dem Weltmeisterschaftstitel 1954. Im Berner Wankdorfstadion schoss er im Finale gegen Ungarn den 2:2 Ausgleich und in der 84. Minute den 3:2 Siegtreffer. „Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen. Rahn schießt. Tor, Tor, Tor ,Tor“ - die legendäre Worte des Radioreporters Herbert Zimmermann, die seit dem Kulturhauptstadtjahr 2010 in Essen auch auf drei Autobahnbrücken der A40 verteilt sind, haben den „Boss“ zum Helden des Wunder von Bern gemacht.

Die rot-weissen WM-Teilnehmer 1958 in Schweden

Helmut Rahn
War 1954 nur ein Essener im WM-Kader – abgesehen vom Katernberger Torwart Heinz Kubsch, der 1953 zum FK Pirmasens gewechselt war - so nominierte Sepp Herberger für die Weltmeisterschaft in Schweden 1958 gleich drei rot-weisse Spieler. Allen voran wieder der "Boss", dessen Nominierung Bundestrainer Sepp Herberger mit einer Begnadigung beim DFB durchgesetzt hatte. Dieser hatte Helmut Rahn nach dessen vierzehntägiger Haftstrafe am 31. Juli 1957 von der Nationalelf ausgeschlossen. Ein Verkehrsrowdy, der betrunken in Baugruben fährt und sich dann mit den Polizisten prügelt, sollte Deutschland repräsentieren? Eigentlich undenkbar in der Republik der fünfziger Jahre.

Aber die Nation brauchte den Essener Vollblutstürmer und Herberger nahm ihn mit offenen Armen wieder auf. Zehn Kilo musste Rahn abnehmen, dann saß auch er in Hamburg im WM-Zug nach Schweden. Von den Berner Helden waren nur noch vier übrig geblieben: Fritz Walter, Helmut Rahn, Horst Eckel und Hans Schäfer und eben Helmut Rahn.

Und der dankte Bundestrainer Sepp Herberger seine WM-Nominierung gleich mit zwei Toren beim 3:1 Auftaktsieg gegen Argentinien. Auch in den beiden übrigen Gruppenspielen gegen die Tschechoslowakei und Nordirland war er erfolgreich. Im folgenden Viertelfinale gelang ihm das Tor zum 1:0 Sieg gegen Jugoslawien. Nur bei der 1:3 Halbfinalniederlage gegen Gastgeber Schweden blieb Rahn ohne Treffer, war dann aber noch einmal im Spiel um den dritten Platz erfolgreich. Gemeinsam mit Pele wurde er so hinter dem Franzosen Just Fontaine (13 Treffer) zum zweitbesten WM-Torschützen 1958.

Fritz Herkenrath
Im Gegensatz zu seinem Mannschaftskameraden hatte Fritz Herkenrath auf die WM 1954 verzichtet, um die zweimonatige Amerikareise von RWE vollständig mitmachen zu können. Außerdem setzte Sepp Herberger damals noch auf Toni Turek als Stammtorwart. Zwischen 1954 und 1958 stand Herkenrath dann 21-mal im deutschen Tor. Bei der WM in Schweden war der fliegende Schulmeister, wie der Volksschullehrer von der Margarethenhöhe auch genannt wurde, ein starker Rückhalt der insgesamt guten deutschen Defensive. Seine Beständigkeit und Zuverlässigkeit galten als Inbegriff des seriösen Keepers in den fünfziger Jahren. Mit sicherem Stellungsspiel und guten Faustparaden verhalf er der deutschen Mannschaft bis ins Halbfinale des Turniers. Im Spiel um den dritten Platz stand dann Heinrich Kwiatkowski vom BVB zwischen den Pfosten.

Heinz Wewers
Nach seinem Länderspieldebüt am Essener Uhlenkrug 1951 musste Heinz Wewers fast fünf Jahre bis zu seinem zweiten Einsatz im Nationaldress warten, da die Konkurrenz auf seiner Position zu groß war. Seit 1956 zählte der elegante Mittelläufer dann aber zum festen Stamm der Nationalmannschaft. Doch als die Weltmeisterschaft in Schweden näher rückte, setzte Herberger auf den Fürther Herbert Erhardt als Mittelläufer, und so kam Heinz Wewers bei der WM 1958 nur im Spiel um den dritten Platz zum Einsatz.

Für Rot-Weiss Essen spielte Helmut Rahn noch bis 1959 und wechselte dann für 7.500 DM zum 1. FC Köln. Fritz Herkenrath und Heinz Wewers blieben bis zum Ende ihrer Karriere 1962 der Hafenstraße treu.

Text: Georg Schrepper