"Umschaltmannschaft keine Räume geben"

RWE-Chef-Trainer Christian Neidhart vor dem Pokalduell gegen Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen.

Neidhart, der Pokalschreck: Mit dem 52-Jährigen an der Seitenlinie schlug RWE im DFB-Wettbewerb zwei höherklassige Mannschaften. (Foto: Endberg)

Erstmals seit 2008 bestreitet Rot-Weiss Essen ein Achtelfinale im DFB-Pokal. Nach den Siegen gegen Arminia Bielefeld (1:0) und Fortuna Düsseldorf (3:2) geht es jetzt an der Hafenstraße gegen den Champions League-Anwärter Bayer 04 Leverkusen (Dienstag, 18.30 Uhr, live bei "Sky"). Der DFB-Pokalsieger von 1953 erwartet den Titelträger von 1993 – und hofft auf eine weitere Sensation. Im aktuellen Interview nimmt RWE-Chef-Trainer Christian Neidhart ausführlich Stellung zur aktuellen Situation.

Hallo Christian! Am Dienstag ist es so weit. Bayer 04 Leverkusen gastiert im Achtelfinale des DFB-Pokals an der Hafenstraße. Wie groß ist die Vorfreude?
Wir bestreiten ein Pokal-Achtelfinale, mit Bayer 04 kommt ein Team aus der "Top5" der Bundesliga. Wer sich darauf nicht freut, dem kann ich auch nicht mehr helfen. Für uns ist es ein Bonus-Spiel. Diesem Highlight fiebern wir seit Tagen entgegen.

Durch das spielfreie Wochenende in der Liga hattest Du zehn Tage Zeit, das Team auf das Pokalduell vorzubereiten, während Leverkusen noch am Samstagabend in Leipzig antreten musste. Kann das ein kleiner Vorteil sein?
Das glaube ich nicht. Für einen Verein wie Bayer 04, der regelmäßig international spielt, ist das kein Problem, sondern eher Standard. Die Spieler sind es gewöhnt, alle drei oder vier Tage zu spielen. Aus unserer Sicht ist es natürlich besser, dass wir eine etwas längere Vorbereitungszeit hatten als sonst. Den Ausschlag geben wird das aber sicher nicht.

Mit Arminia Bielefeld hat RWE bereits einen Bundesligisten ausgeschaltet, mit Fortuna Düsseldorf einen ambitionierten Zweitligaklub. Ist jetzt Bayer 04 Leverkusen noch einmal eine andere Hausnummer?
Definitiv. Wir sprechen hier von einem Spitzenklub der Bundesliga. Wir sind Viertligist. Wenn man also ehrlich ist, liegen Welten dazwischen. Wenn es uns jedoch gelingt, möglichst lange die Null zu halten, dann könnten auch gegen Leverkusen unsere Chancen steigen.

Können die Spiele gegen Bielefeld und Düsseldorf Vorbild sein?
Ich würde da zwischen beiden Partien unterscheiden. Für Arminia Bielefeld war es nach der Euphorie des Aufstiegs und einer längeren Pause das erste Pflichtspiel überhaupt. Wir hatten dagegen zu diesem Zeitpunkt zumindest schon im Niederrheinpokal und in der Liga gespielt. Dann ist auch während der Partie einiges in unsere Richtung gelaufen. Mit der Fortuna haben wir dann aber eine Mannschaft ausgeschaltet, die zuvor in der 2. Bundesliga eine Siegesserie hingelegt und auch danach wieder überzeugt hatte. Gegen uns ist den Düsseldorfern dagegen nicht viel eingefallen und wir konnten sogar drei Tore erzielen. Das war schon eine sehr starke Leistung unseres Teams. Wer weiß? Wenn wir daran anknüpfen können, dann ist vielleicht auch gegen Leverkusen etwas drin. 

Worauf wird es denn in erster Linie ankommen?
Leverkusen verfügt über eine überragende Umschaltmannschaft, die Fehler und Ballverluste des Gegners in der Regel sofort bestraft. Unser Ziel muss es deshalb sein, ihnen möglichst wenig Räume für ihr Spiel zu geben.

Könnten die winterlichen Platzverhältnisse im Stadion Essen helfen?
Der Platz ist aktuell schwer zu bespielen. Das haben wir ja schon gegen Bonn gemerkt. Was sonst für uns jedoch eher ein Nachteil ist, weil wir in der Liga immer das Spiel machen müssen, könnte gegen Leverkusen ein kleiner Vorteil werden. Da können wir eher abwarten.

Fast auf den Tag genau liegt die letzte RWE-Niederlage in einem Pflichtspiel ein Jahr zurück. Wie bewertest Du das?
Ein Jahr ungeschlagen zu sein, ist für den Verein, das Team und auch den Trainer natürlich eine überragende Statistik. Dadurch wächst das Selbstvertrauen von Spiel zu Spiel und es entwickelt sich ein gewisses Selbstverständnis. Auf der anderen Seite steigt aber auch bei den jeweiligen Gegnern die Motivation. Jeder will schließlich der Erste sein, der uns besiegt. Das beziehe ich allerdings in erster Linie auf den Ligabetrieb. Sollten wir gegen Leverkusen verlieren, wäre das ganz sicher keine Schande. Und in der Meisterschaft wären wir dann immer noch seit mehr als einem Jahr unbesiegt.

Das Duell mit Bayer 04 ist das 28. Pflichtspiel unter deiner Leitung. Bisher gab es 21 Siege und sechs Unentschieden.
Grundsätzlich würde ich diese Serie schon sehr gerne noch ein wenig fortsetzen (lacht). Nachdem unser Saisonstart etwas holprig war, haben wir es mit dem Team bislang gut und souverän hinbekommen. Daran wollen wir auch im weiteren Saisonverlauf anknüpfen – und zwar unabhängig davon, wie das Bonus-Spiel gegen Leverkusen ausgeht.

Gibt es personelle Probleme?
Nach dem Bonn-Spiel gab es keine größeren Wehwehchen. Damit stehen mir voraussichtlich bis auf David Sauerland und Maxim Pronichev alle Spieler zur Verfügung.