"Stadion und Fans bei RWE sind unfassbar"

Neuer Flügelflitzer Isaiah Young über seinen Weg von den USA nach Essen.

Bewundert die neue Heimat an der Hafenstraße: Isaiah Young. (Foto: Endberg)

Seit Anfang Oktober geht es bei Rot-Weiss Essen noch ein wenig internationaler zu. Nach Marco Kehl-Gomez (Schweiz) und Maximilian Pronichev (Russland) steht mit Isaiah Young nun auch ein US-Amerikaner an der Hafenstraße unter Vertrag. Der Offensivspieler war am letzten Tag der Wechselfrist von der U23 des SV Werder Bremen verpflichtet worden. Im Interview spricht der 22-Jährige über seine Heimatstadt "Berlin", den Schritt nach Deutschland und seine ersten Eindrücke bei RWE.

Herzlich willkommen an der Hafenstraße, Isaiah! Du bist nun seit etwas mehr als drei Wochen in Essen. Wie waren für dich die ersten Tage bei RWE?
Sehr schön. Das Trainerteam und die Mitspieler haben mich sehr gut aufgenommen. Wir haben viel Spaß und lachen oft. Sportlich ging es auch schon schnell los. Einen Tag nach meinem Wechsel stand schon das Auswärtsspiel beim Bonner SC an, bei dem ich noch gefehlt hatte, weil ich zuvor noch nicht genug mit der Mannschaft trainiert hatte. Aber durch die vielen Spiele in kurzer Zeit musste ich nicht lange darauf warten, zum ersten Mal zum Einsatz zu kommen.

Du bist erst am letzten Tag der Transferperiode nach Essen gekommen. Wie kurzfristig war Dein Wechsel wirklich?
Es standen zuletzt noch einige Gespräche zwischen meinem Ex-Verein SV Werder Bremen, Rot-Weiss Essen und mir aus. Mir war aber schnell klar, dass ich zu RWE will. Der Verein wird höchst professionell geführt. Das Stadion sowie die Fan-Unterstützung sind unfassbar und für die Regionalliga nicht normal. Dazu kommt noch, dass die Mannschaft ballbesitz-orientierten und offensiven Fußball spielt. Das gefällt mir.

Bist du in Essen schon heimisch geworden?
Aktuell wohne ich noch im Hotel. Ich bin aber zuversichtlich, dass ich in den nächsten Tagen in eine eigene Wohnung umziehen werde. Von der Stadt habe ich bislang durch die englischen Wochen noch nicht ganz so viel gesehen. Ich habe mich aber schon mit meinen Mitspielern ausgetauscht, wo man gut essen gehen kann. Wenn etwas mehr Zeit ist, werden wir ganz bestimmt etwas zusammen unternehmen.

Geboren wurdest du in den USA im Bundesstaat New Jersey, genauer gesagt in einem Ort mit dem Namen "Berlin". Gibt es eine Verbindung mit der deutschen Hauptstadt?
Soweit ich weiß, wurde die Stadt von deutschen Auswanderern gegründet. Mit rund 7.500 Einwohnern ist die Stadt aber eher klein. Meine Familie und meine Freunde wohnen noch immer dort. Ich bin also auch hin und wieder in Berlin.

Wie hast Du die Leidenschaft für den Fußball entdeckt? In den USA spielen ja eher andere Sportarten eine größere Rolle!
Das stimmt. Durch meinen Vater habe ich aber schon im Alter von drei Jahren mit dem Fußball angefangen. Ich war schon recht früh ganz gut. Als dann mit der Zeit meine Fortschritte weiterhin spürbar waren, war mir klar: Ich will leidenschaftlich gerne Fußballer werden. Ich habe zwar auch Basketball gespielt und mache das auch noch immer gerne. Für eine professionelle Karriere hatte ich mit einer Größe von 1,81 Metern aber nicht die besten Voraussetzungen.

War Dir auch schnell klar, dass Du für die Fußballkarriere nach Europa wechseln willst?
Nach Europa zu gehen, war eigentlich schon immer als Ziel in meinem Kopf. Meiner Familie und mir war es wichtig, zunächst den Fokus auf meine schulische Ausbildung zu legen. Als ich als 18-Jähriger für die U19-Nationalmannschaft im Einsatz und teilweise auch in Europa Spiele hatte, war mir bewusst, dass das Ziel konkret werden könnte.

Wie kam es zum Schritt nach Deutschland?
Während eines Länderspiels mit der U20-Nationalmannschaft bin ich den Scouts von Werder Bremen aufgefallen. Ich wurde daraufhin zu einem dreiwöchigen Probetraining eingeladen und habe überzeugt. Für Werder habe ich dann ein Jahr in der Staffel Nord/Nordost der A-Junioren-Bundesliga gespielt. Anschließend kam ich für die U23 in der 3. Liga und in der Regionalliga Nord zum Einsatz. In der zurückliegenden Saison war ich an den belgischen Zweitligisten Royale Union Saint Gilloise ausgeliehen, um auf höherem Niveau Wettkampfpraxis zu sammeln. Jetzt will ich bei RWE angreifen.

Wegen der Corona-Pandemie konnten Dich bisher erst wenige RWE-Fans live im Stadion erleben. Wie würdest Du Deine Spielweise beschreiben?
Ich bin sehr schnell – egal, ob ich einen Ball am Fuß habe oder nicht. Ich suche gerne die Eins-gegen-Eins-Situationen und bin immer mit vollem Einsatz bei der Sache. Für die Mannschaft bin ich bereit, viele Wege zu gehen.

Welche Ziele hast Du Dir mit RWE gesetzt?
Wir haben eine gute Mannschaft, die das Zeug dazu hat, in die 3. Liga aufzusteigen. Um dem Team dabei zu helfen, werde ich immer Vollgas geben. Wenn ich dazu Tore oder Vorlagen beisteuern kann, freut mich das umso mehr.

In den nächsten Tagen sind auch viele Blicke von Europa in die USA gerichtet. Nimmst Du auch an der Präsidentschaftswahl teil?
Die USA sind meine Heimat. Daher habe ich selbstverständlich großes Interesse daran, was dort politisch passiert. Die Entwicklung der Corona-Pandemie dort und auch die Polizeigewalt habe ich mit Sorge verfolgt. Die Wahlen sind eine gute Möglichkeit, damit die Situation im Land besser wird.