"Noch nicht am Ende"

Kevin Grund über 317 rot-weisse Pflichtspiele und die tiefe Verbindung zur Hafenstraße.

317 mal in rot-weiss: Kevin Grund kickt seit zehn Jahren an der Hafenstraße. (Foto: Endberg)

Neun Jahre und neun Monate: So lange ist Kevin Grund schon für Rot-Weiss Essen am Ball. Der im Sommer 2011 vom MSV Duisburg verpflichtete 33-Jährige ist damit der dienstälteste Spieler aus dem aktuellen Kader der Rot-Weissen.

Hallo Kevin! Du hast bislang schon 317 Pflichtspiele für Rot-Weiss Essen absolviert. Was bedeutet Dir diese Zahl?
Ich würde lügen, wenn ich sage, dass mir das nichts bedeutet. Dass es nun schon 317 Partien sind, macht mich stolz. Ein wenig Glück, weitgehend verletzungsfrei zu bleiben, gehört auch dazu. Auch neben dem Mannschaftstraining mache ich individuelle Übungen, um meinen Körper bei der Belastung zu unterstützen.

Kannst Du Dich noch an Deinen ersten Einsatz für Rot-Weiss erinnern?
Das war 2011 in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen den damaligen Zweitligisten 1. FC Union Berlin. Damals noch im Georg-Melches-Stadion vor ausverkauftem Haus einen Profiklub zu bezwingen, bleibt selbstverständlich in Erinnerung. Besser als mit einem Erfolg im Elfmeterschießen hätte es nicht laufen können. Hinter dem Verein lag damals schließlich gerade eine Insolvenz und der Wiederaufstieg in die Regionalliga West.

Mal ehrlich: Hättest Du 2011 gedacht, dass Du so lange bei RWE bleibst?
Ich hatte es gehofft. Ich habe Rot-Weiss nicht als Sprungbrett gesehen, wollte stattdessen mit RWE etwas aufbauen. Wir haben den Verein nach der Insolvenz weiterentwickelt und können mit den Fortschritten zufrieden sein. Dass es bislang noch nicht mit dem Aufstieg in die 3. Liga geklappt hat, ist enttäuschend. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden.

Was war bislang das Highlight Deiner Zeit an der Hafenstraße?
Diese Saison im DFB-Pokal. Nach Arminia Bielefeld und Fortuna Düsseldorf mit Bayer 04 Leverkusen auch noch einen internationalen Klub aus dem Wettbewerb zu werfen, war unglaublich. Leider konnten wegen der Corona-Pandemie keine Zuschauer dabei sein.

Was bedeutet Rot-Weiss Essen für Dich?
RWE ist nicht irgendein Verein. Das gilt nicht nur als Spieler. Ich durfte auch fast ein Jahr lang als Praktikant in mehrere Abteilungen reinschnuppern. Seit dem zurückliegenden Sommer bin ich außerdem bei der U11 und der U12 Techniktrainer. Leider kam dann die Corona-Pandemie dazwischen. Nach meiner Karriere sehe ich mich weiterhin in dem Bereich, die Arbeit mit Kindern macht mir viel Spaß. Bei den Sportfreunden Königshardt trainiere ich auch meinen zehnjährigen Sohn Bailey.

Du wirst im August 34 Jahre alt, Dein Vertrag läuft am Saisonende aus. Gibt es schon eine Tendenz, wie es für Dich weitergeht?
Mein Gefühl sagt mir, dass ich noch nicht am Ende bin. Ich verspüre bei meiner Zukunftsfrage aber keinen Druck. Mit zunehmendem Alter bin ich da ruhiger geworden. Mein Fokus ist auf die sportlichen Aufgaben gerichtet, die vor uns liegen. Ich werde auf jeden Fall alles raushauen, damit wir unsere Ziele noch erreichen.

Der Rückstand auf Tabellenführer Borussia Dortmund U23 ist in den letzten Spielen  gewachsen. Wie schätzt Du die Situation ein?
Eines vorweg: Für uns darf es gar keine Rolle spielen, was die U23 von Borussia Dortmund macht. Wir müssen unsere Aufgaben lösen, das können wir beeinflussen. Wir glauben weiterhin an den Aufstieg. Wenn das nicht so wäre, könnten wir die Saison auch vorzeitig beenden. Und im Fußball sind oft genug schon die verrücktesten Dinge passiert.

Im Anschluss an das Interview wurde Kevin Grund für das ARD Sportschau-Tor des Monats nominiert. Zur Abstimmung geht es hier entlang.