„Niemand will die Saison austrudeln lassen“

RWE-Trainer Karsten Neitzel vor Heimspiel gegen U23 von Borussia Dortmund

Karsten Neitzel möchte mit seiner Mannschaft des bestmögliche aus der Saison herausholen. (Foto: Endberg)

Endspurt! Noch dreimal tritt Rot-Weiss Essen in dieser Regionalliga-Saison an der Hafenstraße an. Morgen trifft die Mannschaft von RWE-Cheftrainer Karsten Neitzel im Stadion Essen auf die U 23 von Borussia Dortmund. Der BVB II ist punktgleich mit den Rot-Weissen, hat allerdings noch zwei Nachholpartien in der Hinterhand. Für RWE geht es auch darum, für das 0:5 im Hinspiel ein wenig Wiedergutmachung zu betreiben. Allerdings ist die Personaldecke äußerst dünn. Im Interview mit nimmt Karsten Neitzel ausführlich Stellung zur aktuellen Situation.

Hallo Karsten! Die Nachrichten über die personelle Situation bei RWE waren in den letzten Tagen alles andere als erfreulich. Wie ist der aktuelle Stand vor dem Heimspiel gegen die U 23 von Borussia Dortmund?
Philipp Zeiger fällt definitiv aus. Florian Bichler und Max Wegner, die wegen einer Innenbandverletzung im Knie eine Schiene tragen müssen, werden uns ebenfalls noch länger fehlen. Cedric Harenbrock und David Jansen stehen uns ja schon seit längerer Zeit nicht zur Verfügung. Nach den Spielen gegen den KFC Uerdingen 05 und bei Alemannia Aachen kamen noch die Verletzungen von Lukas Scepanik, Kevin Freiberger und Kevin Grund hinzu. Immerhin befindet sich Jonas Erwig-Drüppel nach seiner Pause auf dem Wege der Besserung.

Nach dem 0:2 in Aachen hast Du von einem „Substanzverlust“ gesprochen. War das auf die dünne Personaldecke oder die Belastungen der englischen Woche gemünzt?
Eines vorweg: Verletzungsbedingte Ausfälle oder auch drei Spiele in einer Woche werde jetzt nicht als Ausrede für schlechte oder schwächere Leistungen hinstellen. Aber natürlich macht es sich bemerkbar, wenn dir ein Großteil der Offensivspieler wegbricht. Das kostet dich einfach Substanz, insbesondere in einer englischen Woche.

Betrachtet man die gesamte Saison, ist es aber schon bemerkenswert, wie viele Spieler - über teils längere Zeiträume - durch verschiedenste Verletzungen nicht zur Verfügung standen oder nach wie vor stehen. Hat das einen erfolgreicheren Saisonverlauf verhindert?
Auch hier werde ich es nicht auf die Verletzungen schieben. Wir hätten beispielsweise dennoch nicht zu Hause gegen Lippstadt und Düsseldorf verlieren oder gegen Straelen nur unentschieden spielen müssen. Auch bei den Niederlagen in Köln oder Bonn lag es sicher nicht an Spielern, die uns gefehlt haben. Zählt man diese fehlenden Punkte mal zusammen, dann kann man sich leicht ausrechnen, wo wir vielleicht stehen könnten.

Woran lag es denn am Aachener Tivoli?
Um ehrlich zu sein: Wir haben dort verdient verloren. Nach dem Pokal-Aus gegen den KFC Uerdingen hatten wir uns sehr viel vorgenommen, sind dann aber erneut schon in der Anfangsphase in Rückstand geraten. Dann kam die frühe Auswechslung von Philipp Zeiger - und nur wenig später das zweite Gegentor. Die Mannschaft hat zwar viel investiert, ist beispielsweise nicht einen Meter weniger gelaufen als der Gegner. Aber wir konnten in der Offensive kaum einmal echte Torgefahr ausstrahlen. Man muss sagen, dass die Tagesform bei dem einen oder anderen Spieler nicht gut war.

Weder Aufstiegs- noch Abstiegsplätze befinden sich noch in Reichweite. Worum geht es jetzt im Saisonendspurt noch?
Es bleibt dabei: Wir wollen noch das Bestmögliche aus dieser Spielzeit herausholen. Das gilt für die erreichten Punkte, das gilt für die Platzierung. Um es mal klarzustellen: Ich habe auch bei keinem Spieler das Gefühl, dass er die Saison jetzt einfach austrudeln lassen möchte. Ganz im Gegenteil! Für RWE geht es in jedem Spiel um etwas und so wollen wir auch auftreten.

Was hast Du Dir mit dem Team für die Partie gegen den BVB II vorgenommen?
Vor zwei Wochen haben wir hier die ähnlich spielstarke U 23 von Borussia Mönchengladbach besiegt. Das wollen wir gegen Dortmund wiederholen.

Im Hinspiel musste sich RWE 0:5 geschlagen geben. Es war mit Abstand die höchste Saisonniederlage. Schmerzt das noch?
Ich gebe zu: Damals hat das Ergebnis schon sehr wehgetan. Allerdings glaube ich, dass die Mannschaft heute ein anderes Gesicht haben wird. Jeder weiß, wer damals für den Gegner  auf dem Platz stand und wo die Jungs heute spielen. Wir werden aber definitiv auch heute auf einen Gegner mit hoher Qualität treffen, gegen den wir alles auf den Platz bringen müssen, um die drei Punkte an der Hafenstraße zu behalten.

Zum Abschluss noch ein Blick in die Zukunft: Mit Dennis Grote, dem Kapitän des Nordost-Spitzenreiters Chemnitzer FC, steht inzwischen der erste Neuzugang für die kommende Saison fest. Was versprichst Du Dir von ihm?
Von seiner großen Erfahrung in verschiedenen Mannschaften, Ligen und Situationen kann eine Mannschaft ebenso profitieren wie von seiner fußballerischen Qualität. Daher freuen wir uns sehr, dass Dennis diese Erfahrung und Qualität zukünftig für RWE einbringen wird.

Wann ist mit weiteren Abschlüssen zu rechnen?
Ich kann allen Fans versichern: Im Hintergrund arbeiten wir gemeinschaftlich daran, unseren Kader für die neue Saison im Rahmen unserer wirtschaftlichen Möglichkeiten bestmöglich aufzustellen.