Nächster Gegner: Schnelle Spitzen als gefährliche Waffe

Die SG Wattenscheid 09 sorgt trotz Umbruch für Furore

Morgen steht das Flutlichtspiel gegen die SG Wattenscheid auf dem Plan.

Morgen steht für die SG Wattenscheid 09 das Flutlichtspiel bei Rot-Weiss Essen auf dem Programm. Das Team von Farat Toku geht jedoch nicht als Underdog in die Partie. Trotz des Umbruchs der Mannschaft vor der Saison, liegt Wattenscheid mit 22 Punkten auf Rang sechs und damit einen Platz vor unserem Traditionsverein von der Hafenstraße. Doch nicht nur der Verein hat einen Veränderung vollzogen. Auch Wattenscheid-Stürmer Daniel Keita-Ruel hat eine schwere Zeit hinter sich.

 

Eine Dummheit kostete den Angreifer unseres morgigen Gastes SG Wattenscheid 09 gleich vier Jahre seiner Karriere. Dabei hatte die Laufbahn von Keita-Ruel vielversprechend begonnen: Zunächst wurde er in der Jugend beim Wuppertaler SV, anschließend in der U 19 von Borussia Mönchengladbach ausgebildet. Über den Bonner SC kehrte er zum WSV zurück, kam sogar in der 3. Liga zum Einsatz.

 

Doch dann lag die Karriere fast vier Jahre lang „auf Eis“. Wegen gleich mehrerer Raubüberfälle, bei denen eine Bande um Keita-Ruel fast 100.000 Euro erbeutete, musste er ins Gefängnis. „Es war jugendlicher Leichtsinn. Ich hatte damals ältere Freunde und dachte, ich wäre der Coolste. Ich wollte dazugehören. Heute weiß ich, dass es der größte Fehler meines Lebens war, dabei mitzumachen. Ich bereue es jeden Tag“, berichtet Keita-Ruel.

 

Hinter Gittern hat sich der gebürtige Wuppertaler nicht auf die faule Haut gelegt, sondern sich fit gehalten und auch fußballerisch an sich gearbeitet. „Ich bin top-fit - trotz der vierjährigen Auszeit. Für die Unterstützung bin ich sehr dankbar“, so der Stürmer. Außerdem nutzte Keita-Ruel die Zeit, um über viele Dinge nachzudenken. Dabei kam er unter anderem zu der Erkenntnis: „So eine Dummheit werde ich nie wieder machen.“

 

Die erste Rückkehr auf den Fußballplatz war für Keita-Ruel ein ganz besonderes Erlebnis: „Das Gefühl war unbeschreiblich. Ich hatte neue Schuhe geschenkt bekommen, ein neues Trikot an und die Sonne knallte vom Himmel. Wenige Tage danach habe ich mein erstes Spiel bestritten - gegen Wattenscheid.“ Nach seiner Haftentlassung 2014 schnürte der 27-Jährige seine Fußballschuhe zunächst für den Niederrhein-Oberligisten Ratingen 04/19.

 

In der Partie gegen die SG Wattenscheid 09 sah ihn SG-Trainer Farat Toku und erkannte sein Potential und sicherte sich seine Unterschrift. Seit Anfang der Saison steht Keitra-Ruel nun im Wattenscheider Kader. Und die Regionalliga West soll für ihn noch nicht das Ende seiner fußballerischen Karriere sein: „Es gibt genügend Beispiele von Profis, die es erst spät in eine höhere Liga geschafft habe. Dieses Ziel verfolge auch ich nach wie vor.“

 

Aktuell fühlt sich Keita-Ruel aber in Wattenscheid pudelwohl. „In der Wattenscheider Mannschaft geht es extrem familiär zu. In der Form habe ich das noch nie erlebt. Bei uns passt kein Blatt dazwischen. Nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz sind wir eine Einheit. Eine entscheidende Rolle dabei spielt Trainer Farat Toku. Er weiß genau, wie er mit jedem einzelnen Spieler umgehen muss.“

 

Das zahlt sich auch in der Liga aus. Der Start ist der finanziell nicht auf Rosen gebetteten Mannschaft aus dem Ruhrgebiet durchaus gelungen. Auch unser Trainer Sven Demandt zählt Wattenscheid neben Favoriten wie Borussia Mönchengladbach, Köln oder Dortmund zu den stärksten Mannschaften der Regionalliga West. Vor allem das schnelle Umschaltspiel sorgt bei den Gegnern immer wieder für Probleme. Neben Keita-Reul, der in den ersten vier Partien noch ohne Torerfolg blieb, sorgen auch Jonas Erwig-Drüppel und Manuel Glowacz für Gefahr im Strafraum. Für jeden der drei Spieler stehen derzeit fünf Saisontreffer zu Buche.