Nächster Gegner: Neururer soll SG Wattenscheid 09 nach oben führen

Ex-Bundesligist hatte drohendes finanzielles Aus in der Winterpause abgewendet

Das Hinspiel in Wattenscheid konnte Rot-Weiss Essen mit 2:0 für sich entscheiden. (Foto: Endberg)

Dass die SG Wattenscheid 09 überhaupt noch am Montag, ab 20.15 Uhr im Rahmen des 31. Spieltages in der Regionalliga West zum Revierduell bei Rot-Weiss Essen zu Gast ist, hat der ehemalige Bundesligist einem hohen Aufwand und der Unterstützung von außen zu verdanken. Während der Winterpause musste die SGW innerhalb von 28 Tagen ein finanzielles Loch in Höhe von 350.000 Euro schließen, um den Spielbetrieb - zumindest bis zum Saisonende - zu sichern.

Der Verein entschied sich für eine Crowdfunding-Aktion, bei der den Unterstützern Partnerpakete von mindestens zehn bis zu 20.000 Euro angeboten wurden. So konnten unter anderem „Retter-Sticker“ oder eine Fahrt zu einem zu einem Auswärtsspiel im Mannschaftsbus mit dem Team um Trainer Farat Toku gekauft werden. Zur Unterstützung der Crowdfunding-Aktion holte sich die SGW prominente Unterstützung ins Boot. In einem Imagefilm warben unter anderem die Wattenscheider Trainer-Legende Hannes Bongartz, Peter Kunkel (Spieler und Trainer), Guido Silberbach oder Mike Terranova, heute immerhin Trainer des Ligakonkurrenten Rot-Weiß Oberhausen, um Unterstützung.

Trotz mehrerer Rückschläge - unehrliche „Unterstützer“ hatten zwischenzeitliche Zusagen in Höhe von 120.000 Euro wieder zurückgezogen - gelang es der SG Wattenscheid, das benötigte Geld aufzutreiben. Bis zum frühen Nachmittag des Stichtages hatten mehr als 2.200 Unterstützer, darunter zahlreiche SGW-Fans, aber auch ehemalige Wattenscheider Profis und viele andere Klubs, durch zahlreiche Aktionen insgesamt rund 160.000 Euro gesammelt. Wattenscheids Aufsichtsrats-Vorsitzender Oguzhan Can, dessen großes Fitness-Center ohnehin schon Hauptsponsor des Vereins war, erklärte sich schließlich bereit, die eingegangene Spendensumme bis zum notwendigen Betrag aufzustocken.

Im Rahmen der Crowdfunding-Aktion fand der Traditionsverein auch personelle Unterstützung. Josef Schnusenberg, von 2007 bis 2010 Vorstandsvorsitzender des Bundesligisten FC Schalke 04, wurde in den Aufsichtsrat berufen. Rund einen Monat später gab es für die SGW die nächste gute Nachricht: Ein Outlet-Anbieter, der Vorjahreskollektionen im großen Stil aufkauft und verkauft, stieg als neuer Trikotsponsor ein. Anfang März wurde ein Autohaus als neuer Premiumpartner vorgestellt, bei der Mitgliederversammlung ein neuer Aufsichtsrat (mit Can und Schnusenberg) gewählt.

Das Engagement von Josef Schnusenberg im Aufsichtsrat der SGW half auch bei der Besetzung der sportlichen Verantwortung. Kult-Trainer Peter Neururer, zu Beginn seiner Karriere bekanntlich auch bei Rot-Weiss Essen tätig, übernahm Mitte März die Position des Sportlichen Leiters in Wattenscheid. „Ich darf in der Lohrheide eine Position einnehmen, mit der ich nicht mehr gerechnet habe“, so Neururer. „Dann wurde ich von Jupp Schnusenberg, den ich seit vielen Jahren kenne, gefragt, ob ich mir die Position als Sportdirektor bei der SG Wattenscheid 09 vorstellen kann.“

Für seine Zeit beim ehemaligen Bundesligisten hat sich der 63-Jährige einiges vorgenommen. „Wir haben das Ziel, so schnell wie möglich die Vergangenheit einzuholen. Ich habe hier nicht für drei Jahre unterschrieben, um drei Jahre lang in der Regionalliga zu bleiben. Ich finde eine große Baustelle vor, aus der man aber unheimlich viel machen kann. Die Basis dafür muss in dieser Saison gelegt werden. Das heißt: Der Klassenverbleib muss geschafft werden, um die weiteren Schritte einzuleiten.“

Die Voraussetzungen für den ersten Schritt haben sich am vergangenen Spieltag zumindest verbessert. Mit einem 3:1-Heimsieg gegen Schlusslicht und Absteiger TV Herkenrath 09 kletterte der Revierklub auf Platz 14, hatte aber zu diesem Zeitpunkt nur einen Punkt Vorsprung vor der Gefahrenzone.