„Lernen, die Kräfte richtig einzuteilen“

RWE-Cheftrainer Karsten Neitzel vor Heimspiel gegen Neuling SV Straelen.

Am morgigen Freitag treffen die Rot-Weissen an der Hafenstraße auf den SV Straelen. (Foto: Endberg)

Mit dem Heimspiel gegen den Regionalliga-Neuling SV Straelen beginnt für Rot-Weiss Essen am Freitagabend, 19.30 Uhr, die englische Woche. Um sich für die folgenden Partien bei der U 23 von Borussia Mönchengladbach (Mittwoch) und gegen Alemannia Aachen (Sonntag, 30. September) in eine möglichst günstige Ausgangsposition zu bringen, sollen die drei Punkte an der Hafenstraße bleiben. Im Interview mit der „kurzen fuffzehn“ nimmt RWE-Trainer Karsten „Kalle“ Neitzel Stellung zur aktuellen Situation.

Hallo Karsten! War das 1:1 beim SC Verl nun ein Punktgewinn oder hat RWE an der Poststraße zwei Zähler eingebüßt?

Diese Diskussion erübrigt sich im Nachhinein. Wir haben in Verl einen Punkt geholt, das ist so schlecht nicht. Wir sind jedenfalls nicht unzufrieden nach Hause gefahren.

Dennoch sah es nach der 1:0-Führung äußerst vielversprechend aus. Was waren die Gründe, dass es in der zweiten Halbzeit nicht mehr ganz so gut lief?

Uns hat - nicht zuletzt aufgrund unserer kraftintensiven Spielweise in der Anfangsphase - ein wenig die notwendige Härte im Anlaufen gefehlt. Dadurch konnten wir den Gegner nicht mehr so gut unter Druck setzen. Außerdem sind uns in der zweiten Halbzeit bei eigenem Ballbesitz zu viele Fehler unterlaufen. Deshalb konnten die Verler etwas mehr Druck aufbauen. Allerdings muss ich auch sagen, dass wir dennoch im zweiten Durchgang aus dem Spiel heraus praktisch keine Chance des Gegners zugelassen haben. Schade, dass wir nach einem Eckball den Ausgleich kassiert haben. Aber wie schon gesagt: Unter dem Strich geht das Ergebnis durchaus in Ordnung.

Wo setzt man als Trainer nach so einem Spiel an?

Es ist so, dass wir noch lernen müssen, während des Spiels die Kräfte richtig einzuteilen. In Verl haben wir beispielsweise losgelegt wie die Feuerwehr und zu Beginn ein brutales Pressing gespielt. Das lässt sich einfach nicht über 90 Minuten voll durchhalten. Da müssen die Jungs das Tempo vielleicht auch mal ein wenig reduzieren und sich die eine oder andere ruhigere Phase gönnen, um am Ende wieder zulegen zu können. Da befinden wir uns noch in einer Entwicklungsphase.

Stichwort Personalsituation: Die ist in den letzten Wochen etwas schwieriger geworden.

Das stimmt, ist aber auch keine Ausrede. Sicherlich wünscht sich jeder Trainer mehr Alternativen. Deshalb gibt es ja in der Bundesliga aktuell auch die Diskussion, ob künftig nicht noch mehr als 18 Spieler auf der Auswechselbank sitzen sollen. Ich verstehe diesen Wunsch auch, da sich dadurch sicher das eine oder andere „Pulverfass“ innerhalb eines Kaders entfernen lassen. Aber ob nun 16, 18 oder 23 Spieler im Aufgebot sind: Einwechseln kann ich immer nur drei. Von daher ist das kein Problem. Wenn wir demnächst wieder alle Spieler gesund im Training haben, dann müssen einige auf der Tribüne Platz nehmen.

Ist für das anstehende Heimspiel gegen den SV Straelen Besserung in Sicht?

Ich gehe davon aus, dass sich zumindest für das Straelen-Spiel am Kader nicht allzu viel ändern wird. Gegen die Sperre von Kai Pröger für vier Pflichtspiele haben wir Einspruch eingelegt, heute wird er aber ganz sicher noch fehlen. Die Verletzungen sind bekannt. Immerhin hat Cedric Harenbrock nach seinem Kreuzbandriss wieder mit dem Training begonnen, wird aber noch einige Zeit benötigen. Marcel Lenz ist wieder fit und zählte zuletzt in Verl erstmals nach seiner Oberschenkelverletzung wieder zum Kader.

Enzo Wirtz kam im Sturmzentrum mal wieder von Beginn an zum Einsatz. Wie bewertest Du seine Leistung?

Enzo ist unglaublich viel gelaufen, hat sich für die Mannschaft eingebracht und seine Sache gut gemacht. Er ist ein Typ, der immer mit viel Leidenschaft und Herzblut spielt.

Nach der 2:3-Heimniederlage gegen den SV Lippstadt 08 geht es nun an der Hafenstraße zum zweiten Mal in Folge gegen einen Aufsteiger. Wir schätzt Du den Gegner ein?

Wir treffen auf einen Gegner, der individuell gut besetzt ist und auch schon gezeigt hat, dass er in der Regionalliga bestehen kann. Ohnehin ist die Leistungsdichte in dieser Liga so hoch, dass man sich gegen keinen Gegner Schwächen erlauben kann.

Was nimmst Du Dir mit der Mannschaft vor?

Wir wollen in erster Linie eine gute Leistung auf den Platz bringen. Wenn uns das gelingt, dann haben wir auch eine große Chance, die drei Punkte in Essen zu behalten. Wir haben in jedem Spiel den Anspruch, den Rasen als Sieger zu verlassen: Da ist es auch egal, wie der Gegner heißt. Um diesem Anspruch gerecht werden zu können, ist jedoch harte Arbeit gefragt. Auf jeden Fall freuen wir uns sehr auf das Spiel und die Unterstützung unserer Fans.

Die Partie gegen den SV Straelen ist der Auftakt zu einer englischen Woche in der Regionalliga West. Am Mittwoch geht es zur U 23 von Borussia Mönchengladbach, am nächsten Sonntag kommt Alemannia Aachen. Wie sehr magst Du das?

Wenn es sportlich läuft, dann macht einem die schnelle Abfolge der Spiele überhaupt nichts aus. Bei Misserfolgen tut es aber auch mal gut, eine Pause zu haben. Auch von daher sollten wir alles dafür tun, mit einem Sieg in die englische Woche zu starten.