„Konzentrieren uns auf unsere Leistung“

RWE-Trainer Karsten Neitzel vor Flutlicht-Derby gegen SG Wattenscheid 09

Karsten Neitzel wird gegen den SG Wattenscheid 09 in seinem 45. RWE-Pflichtspiel an der Seitenlinie stehen. (Foto: Gohl)

Die Spielzeit 2018/2019 in der Regionalliga West neigt sich ihrem Ende entgegen. Beim heutigen Flutlicht-Derby gegen die SG Wattenscheid 09, das vom TV-Sender „Sport1“ live im Free-TV übertragen wird, hat Rot-Weiss Essen bereits zum vorletzten Mal in der laufenden Spielzeit Heimrecht an der Hafenstraße. Nicht nur deshalb hat sich das Team von RWE-Cheftrainer Karsten Neitzel für das Duell mit dem Reviernachbarn aus der Lohrheide einiges vorgenommen. Vor allem soll es nach einigen vergeblichen Anläufen endlich mal wieder im gegnerischen Kasten „klingeln“. Im Interview mit der „kurzen fuffzehn“ nimmt „Kalle“ Neitzel ausführlich Stellung zur aktuellen Situation.

Hallo Karsten! Ihr habt beim Aufstiegsfavoriten gepunktet. Wie zufrieden warst du mit dem Auftritt bei Viktoria Köln?
Wir haben beim Tabellenführer ein gutes Spiel abgeliefert und aus meiner Sicht auch absolut verdient einen Punkt geholt. Dabei haben wir uns das Remis keineswegs ermauert, sondern auch immer wieder gut nach vorne gespielt. Die Mannschaft hat Willen gezeigt und einen großen Aufwand betrieben. Der Punktgewinn war der gerechte Lohn.

Besonders positiv ist die defensive Stabilität, zu der das Team in den letzten Wochen offenbar zurückgefunden hat!
Das ist richtig und dafür haben sich die Jungs auch ein Kompliment verdient. Schließlich haben sie bewiesen, dass sie sich inzwischen auch in verschiedenen Spielsystemen zurechtfinden. Beim 0:0 gegen die U 23 von Borussia Dortmund haben wir mit einer Dreierkette in der Abwehr sehr gut gegen den Ball gespielt. In Köln haben wir es auch mit einer Viererkette gut gelöst. Der Gegner ist kaum zu echten Torchancen gekommen. Das ist gegen die torgefährlichste Offensive der Liga nun wirklich nicht selbstverständlich.

Auf der Gegenseite stand allerdings auch die „Null“. Im vierten Pflichtspiel in Folge blieb RWE ohne Tor. Wie sehr nervt das?
Es ist schade, zumal wir auch in Köln einige Situationen hatten, in denen wir uns durchaus mit einem Tor und damit vielleicht auch mit dem Sieg hätten belohnen können. Dabei hat jedoch entweder im Abschluss oder beim letzten Pass oft die notwendige Präzision gefehlt. In einigen Szenen haben wir die falschen Entscheidungen getroffen, sonst wäre für uns noch mehr drin gewesen.

Macht sich dabei nicht doch das Fehlen der zahlreichen verletzten Stammspieler bemerkbar?
Wenn wir in einer aussichtsreichen Position den letzten Ball nicht vernünftig spielen, dann hat das nichts damit zu tun, dass der eine oder andere Spieler fehlt. Auch in der derzeitigen Besetzung sind wir dazu in der Lage, uns mehr und bessere Torchancen herauszuspielen. Das wollen wir im Derby gegen Wattenscheid 09 unter Beweis stellen.

Jonas Erwig-Drüppel hat in Köln sein Startelf-Comeback gegeben, auch Kevin Grund war wieder dabei. Wie sieht es sonst personell aus?
Dass uns Florian Bichler, Max Wegner, Kevin Freiberger, Philipp Zeiger, Cedric Harenbrock und David Jansen für längere Zeit oder sogar bis zum Saisonende nicht zur Verfügung stehen, ist ja bekannt. Sonst stehen aber alle 18 Spieler, die in Köln im Kader standen, auch gegen Wattenscheid zur Verfügung.

Bei Kevin Freiberger, der nach einem Kreuzbandriss gerade erst sein Comeback gegeben hatte, war von erneuten Knieproblemen die Rede. Wie lautet die Diagnose?
Kevin hat Probleme mit der Oberschenkelmuskulatur. Mit dem Knie ist soweit alles in Ordnung. Das ist erst einmal das Wichtigste.

Zum ersten Mal in dieser Saison tritt RWE an einem Montagabend an. Die Partie wird live im Free-TV übertragen. Eine besondere Situation?
Für mich persönlich nicht. Für den einen oder anderen Spieler auf beiden Seiten ist es aber vielleicht schon etwas Besonderes, wenn ausnahmsweise mehrere hunderttausend Zuschauer das Spiel verfolgen. Es ist schließlich in der Regionalliga nicht alltäglich. Dennoch sollte das die Leistung nicht beeinflussen. Weder in die eine, noch in die andere Richtung.

Viele Fans sind keine Freunde von Montagspielen. Wie stehst Du dazu?
Noch einmal: Mir macht es nichts aus. Aber ich habe beispielsweise auch keine kleinen Kinder, habe keine weite Anfahrt oder muss zusehen, dass ich direkt nach der Arbeit möglichst schnell ins Stadion und danach wieder nach Hause komme. Von daher kann ich schon nachvollziehen, dass sich die Begeisterung bei einigen zumindest in Grenzen hält.

Für die SG Wattenscheid 09 steht im Abstiegskampf noch sehr viel auf dem Spiel. Wie schätzt Du den Gegner ein?
Ich habe die Wattenscheider neben unserem 2:0-Hinspielsieg noch in einigen Begegnungen gesehen. Das Team meines Kollegen Farat Toku spiegelt sehr gut unsere Liga wider. An guten Tagen sind die Wattenscheider in der Lage, jeden Gegner zu besiegen - wie etwa beim 3:0 gegen Viktoria Köln. Wenn es nicht so läuft, können sie sich aber auch gegen jeden schwertun. Wir werden uns aber nicht so sehr mit dem Gegner beschäftigen, sondern konzentrieren uns darauf, unsere eigene Leistung auf den Platz zu bringen. Wenn uns das gelingt, dann haben wir auch gute Chancen, die drei Punkte in Essen zu behalten.

Seit einigen Wochen ist Peter Neururer als Sportdirektor in Wattenscheid tätig. Kennt Ihr Euch?
Wir haben mal telefoniert, hatten bislang aber keine direkten Berührungspunkte, auch wenn Peter in Bochum mein Nachfolger wurde.

Noch ein Blick in die Zukunft: Mit Jörn Nowak, der von Rot-Weiß Oberhausen kommen wird, steht der künftige Sportdirektor fest. Gab es schon einen Austausch?
Selbstverständlich gibt es im Rahmen der aktuellen Möglichkeiten einen Austausch. Noch ist Jörn Nowak aber bei RWO beschäftigt. Unabhängig davon machen wir weiterhin - in enger Abstimmung mit Marcus Uhlig und Jürgen Lucas - bei der Kaderplanung ganz normal unsere Arbeit und setzen alle Hebel in Bewegung, um eine schlagkräftige Mannschaft zusammenzustellen.