Kluft, Lachheb und Co: SV Straelen setzt auf Erfahrung

Grenzländer nach Doppelaufstieg erstmals in der Regionalliga West am Start

Am heutigen Freitag ist der SV Straelen im Stadion Essen zu Gast.

Fast auf den Tag genau vier Jahre und einen Monat nach dem bislang letzten Duell treffen Rot-Weiss Essen und der SV Straelen am heutigen Freitag, 19.30 Uhr, an der Hafenstraße wieder aufeinander. Zuletzt standen sich beide Vereine am 19. August 2014 in der ersten Runde des Niederrheinpokals gegenüber. RWE behielt damals 4:0 die Oberhand.

Hinter dem Verein aus dem Kreis Kleve liegt ein steiler Aufstieg. Noch vor zwei Jahren war der SVS in der Landesliga am Start. Mit zwei Meisterschaften in Folge ist Straelen nun aber erstmals in der West-Staffel der vierthöchsten deutschen Spielklasse vertreten.

Die vergangene Saison verlief trotz des Aufstiegs allerdings eher ungewöhnlich. In der Oberliga-Saison standen gleich drei verschiedene Trainer an der Seitenlinie. Nach dem zwischenzeitlichen Abschied von Aufstiegstrainer Stephan Houben (inzwischen wieder als Sportlicher Leiter beim SVS) übernahm zunächst Rachid Sraizi die Mannschaft und führte sie an die Tabellenspitze. Der Niederländer wechselte aber nach 80 Tagen nach China, um dort in einer Fußball-Talentschule zu arbeiten.

Sraizis Nachfolger Dietmar „Didi“ Schacht wurde nach nur einem Sieg aus den ersten fünf Spielen im Jahr 2018 entlassen. Die Menschenführung und die Trainingsmethoden des 55-jährigen Ex-Bundesligaspielers vom FC Schalke 04 hätten außerdem zu Spannungen mit der Mannschaft geführt. Der frühere RWE-Spieler und -Nachwuchstrainer Marcus John, der zwischen 2013 und März 2018 den Fortuna-Stadtrivalen SC Düsseldorf-West betreut hatte, machte mit 23 Punkten aus zehn Ligaspielen den Durchmarsch des SV Straelen perfekt.

Ein Name ist mit dem Erfolg des Vereins eng verbunden. Der Bauunternehmer Hermann Tecklenburg ist seit seiner Kindheit Mitglied beim SV Straelen und unterstützt den Aufsteiger seit rund 40 Jahren als Sponsor. Viele Jahre war er Trainer, seit 2004 ist der 70-Jährige Präsident beim SVS. In der Saison 2006/2007 saß er dennoch auch noch einmal selbst auf der Trainerbank und verhinderte den Abstieg.

Die Verbindung von Hermann Tecklenburg zum Fußball ist nicht nur durch den SV Straelen, für den er als Hobbyspieler einst selbst gekickt hatte, ausgeprägt. Der Bauunternehmer war auch viele Jahre für den KFC Uerdingen 05 und Fortuna Düsseldorf als Vorstandsmitglied tätig. Außerdem ist er seit fast neun Jahren mit der früheren Nationalspielerin Martina Voss-Tecklenburg verheiratet, die seit 2012 die Schweizer Frauen-Nationalmannschaft als Trainerin betreut. Spätestens im November wird die gebürtige Duisburgerin als Bundestrainerin die DFB-Auswahl betreuen und Fußballikone Horst Hrubesch ablösen.

Für seine erste Regionalliga-Saison setzt der SV Straelen auch auf einige erfahrene Neuzugänge. Torhüter David Buchholz (34) stand zuletzt beim Drittligisten Sportfreunde Lotte unter Vertrag und hat bereits 16 Partien in der dritthöchsten Spielklasse sowie 191 Einsätze in den verschiedenen Regionalligen in seiner Vita stehen. Aktuell muss Buchholz allerdings wegen eines Meniskusrisses für längere Zeit aussetzen. Deshalb wurde mit Martin Kompalla (26), der beim VfL Bochum zum Lizenzkader gehörte, noch ein weiterer neuer Schlussmann verpflichtet. Zu seinem Einstand kassierte der SVS allerdings eine 0:3-Heimniederlage im Aufsteigerduell gegen den TV Herkenrath 09.

Noch höher hinaus als Buchholz und Kompalla kam Adli Lachheb (31/zuletzt Germania Halberstadt) während seiner Karriere. Der tunesische Innenverteidiger war in 72 Zweitligabegegnungen für den FC Erzgebirge Aue und den MSV Duisburg am Ball. In der 3. Liga (zehn Begegnungen) stand er für den Halleschen FC und den SSV Jahn Regensburg auf dem Feld. Das erfahrene Defensivquartett komplettiert Innenverteidiger Patrick Ellguth. Der 28-jährige Zugang vom Drittliga-Aufsteiger KFC Uerdingen 05 kann auf die Erfahrung von 89 Regionalliga West-Partien für die zweite Mannschaft von Arminia Bielefeld und den KFC zurückblicken.

Auch für die Offensive hat der Aufsteiger höherklassige Erfahrung verpflichtet. Björn Kluft stand zuletzt beim Drittliga-Absteiger Chemnitzer FC unter Vertrag und hat vier Einsätze in der 2. Bundesliga sowie 92 Partien in der 3. Liga auf dem Konto. Die Regionalliga West kennt der 28-Jährige bereits aus seiner Zeit bei der zweiten Mannschaft von Bayer 04 Leverkusen und bei Rot-Weiss Essen.