Herzlichen Glückwunsch, Pelé!

Rot-Weisses Ehrenmitglied feiert seinen 80. Geburtstag.

Weltfußballer, dreifacher Weltmeister, rot-weisses Ehrenmitglied und Geburtstagskind: Alles Gute zum 80. Ehrentag, Pelé!

Schalke 04 hatte mit Johannes Paul II. zwar einen kirchlichen Papst als Ehrenmitglied, der Fußballpapst Pelé aber ist Ehrenmitglied bei Rot-Weiss Essen. Edson Arantes do Nascimento, genannt Pelé, gewann drei Weltmeistertitel und zwei Weltpokale. RWE gratuliert dem wohl weltbesten Stürmer aller Zeiten mit insgesamt 1281 Tore in 1363 Spielen ganz herzlich zum 80. Geburtstag.

 

Rahn – Pelé – RWE

Seit 15 Jahren ist Pelé Ehrenmitglied bei RWE. „Es ist für mich eine große Ehre, dem Verein anzugehören, in dem der ,Boss’ einst gespielt hat", erklärte er bei seiner Ernennung im November 2005 mit der Mitgliedsnummer 23101940, die sein Geburtsdatum ist.

Pelé und der „Boss" Helmut Rahn – zwei Weltmeister, ein Verein. Sehr gerührt war Pelé über den Ausgang der Versteigerung eines RWE-Trikots mit der Rückennummer 10 und seiner Original-Unterschrift anlässlich dieses Ereignisses. Einen Erlös in Höhe von über 6.000 Euro hatte sein Trikot erzielt. Der anonyme Käufer erhöhte den Betrag auf 10.000 Euro. Die Spende ging an die von Helmut Rahns Schwiegertochter Petra Rahn geleitete Wohnstätte für geistig Behinderte „Haus im Winkel“.

Rot-Weiss Essen ist der einzige Verein in Europa, bei dem der unvergleichliche Pelé Ehrenmitglied ist. Das bisher einzige sportliche Zusammentreffen von Rot-Weiss Essen mit der Fußball-Legende gewann stellvertretend übrigens Willi Lippens mit 2:1 beim Torwandschießen im Aktuellen Sportstudio 1970. Die Begegnung ist noch heute bei YouTube zu sehen.

 

Mit dem FC Santos gegen Schalke an der Hafenstraße

Der FIFA-Weltfußballer des 20. Jahrhunderts spielte sogar einmal an der Hafenstraße – allerdings gegen Schalke 04. Er gewann am Pfingstmontag 1963 mit dem amtierenden Weltpokalsieger FC Santos und weiteren Spielern der brasilianischen Weltmeistermannschaft 2:1.

Der Schalker Kassierer hatte sich trotz der 30.000 Dollar Antrittsprämie der Südamerikaner – was damals rund 120.000 DM entsprach – eine dicke Einnahme erhofft. Daher fand das Spiel nicht in der Gelsenkirchener Glückauf-Kampfbahn, sondern an der Hafenstraße statt. Hier konnte mit Zusatztribünen und Sondergenehmigungen der Polizei das Fassungsvermögen des Stadions auf 47.918 Sitz- und Stehplätze erweitert werden. Bei gestaffelten Eintrittspreisen von 6,50 DM bis 26,- DM sollte das Spiel ein finanzieller Knüller werden.

 

Doch an diesem Pfingstsonntag fanden nur 12.000 bis 15.000 Zuschauer den Weg ins Stadion und ließen den sportlichen Leckerbissen zu einem finanziellen Desaster für Schalke werden. Die Königsblauen mussten tief in die eigene Tasche greifen, um die hohe Antrittsprämie und Hotelkosten der brasilianischen Fußballer zahlen zu können. Mit bis zu 70.000,- DM wurde der finanzielle Schaden für Schalke 04 beziffert. RWE, mit 20% an den Einnahmen nach Abzug der Aufwendungen für die Stadionkosten beteiligt, blieb letztlich ein magerer Überschuss von 1907,26 DM, von dem die Hälfte zur Verrechnung einer Darlehnsschuld an die Essener Stadtkasse überwiesen wurde.

 

Brasilianische Spielweise

Erklärungsversuche gab es viele. „Nicht nur Deutschland, ganz Europa ist eben von ,Brasilien-Müdigkeit‘ befallen“, hieß es in einem Pressebericht. Der Weltpokalsieger hatte auf seiner Tournee zu oft Sommerfußball gespielt und die Zuschauer einige Male bitter enttäuscht. Dafür waren viele nicht mehr bereit, die für damalige Verhältnisse saftigen Eintrittspreise zu bezahlen.

Dennoch waren sich die Kommentatoren einig: Dieses Spiel hätte mehr Zuschauer verdient gehabt. In den Berichterstattungen wurde vor allem die vollkommene Beherrschung des Balles hervorgehoben. „Wenn diese brasilianischen Stürmer den Ball streichelten, dann sah man das Naturgefühl für das Leder, die vollkommene Beherrschung des Balles in jeder Situation (....) Auf engstem Raum spielten sie sich noch das Leder blitzschnell zu. So schnell, dass keiner der Schalker Spieler eingreifen konnte. Da kamen die Pässe kurz und gestochen, dann wieder lang und wie an der Schnur gezogen, an der Abwehr vorbei oder durch sie hindurch, ganz wie man wollte.“

Superstar Pelé schoss in der 36. Minute nach einem solchen Zuspiel über 20 Meter das 1:0 für den FC Santos, sein Nationalmannschaftskollege Coutinho erhöhte in der 70. Minute im Nachschuss zum 2:0. In der Schlussphase gelang dem Schalker Gerhardt nach einer Ecke noch der Anschlusstreffer zum 2:1.

 

Fangeschichte: Als Pele an der Hafenstraße zum 1:0 traf

Seine ganz persönlichen Erinnerungen an dieses Spiel hat RWE-Fan Bernhard Fricke 2011 aufgeschrieben:

„Ich war 14 Jahre alt. Mein erster Besuch an der Hafenstraße. Keine geringere als die berühmteste Fußballmannschaft der Welt gastierte als amtierender Weltpokalsieger in Bergeborbeck – der FC Santos. Absoluter Star war natürlich Pelé, der mit seinen gerade erst 22 Jahren ein Jahr zuvor bereits zum zweiten Mal mit Brasilien Weltmeister geworden war. Der Gegner an diesem Pfingstmontag 1963 hieß nicht Rot-Weiss Essen, sondern Schalke, leider! Ich versichere hiermit an Eides statt, dass ich nur der Brasilianer wegen das Spiel unbedingt sehen wollte.

Mein Vater hatte mir wegen des erwarteten Zuschauerandrangs geraten, so früh wie möglich dort zu sein. Als sich um 14 Uhr die Tore öffneten, war ich der Erste, der sich auf die damals noch unbedachte Gegengerade stellte. Stundenlang blieb die Zahl derer, die da eintrudelten, sehr überschaubar. Gut, dass es ab 16 Uhr wenigstens ein Vorprogramm gab, sonst wäre ich wahrscheinlich vor Langeweile gestorben. Anstoß war Punkt 18 Uhr!

 

Mein Onkel hatte zuvor gemeint, die brasilianischen Ballkünstler würden mit ihrer perfekten und eleganten Technik sicherlich nicht in Fußball-, sondern in Turnschuhen auflaufen. Doch es gab weder Turnschuhe noch Zauberfußball zu bestaunen. Die in blütenweißen Trikots angetretenen Spieler um Pelé, Pepe, Zito und Coutinho waren zwar technisch klar überlegen, agierten auch durchaus flink und trickreich, brannten aber kein Feuerwerk ab. Brauchten sie auch nicht, weil der Gegner zu langsam und behäbig spielte.

Zur Pause führte Santos 1:0 durch ein Tor von Pelé. Obwohl er in der zweiten Halbzeit noch einen Elfmeter verschoss und auch seine sonst so gefährlichen Freistöße wirkungslos blieben, siegte sein Team, ohne sich zu verausgaben, 2:1.“

 

Ein Beitrag unseres ehrenamtlichen Vereinshistorikers Georg Schrepper.