„Handbremse lösen und flüssigen Fußball bieten“

RWE-Cheftrainer Karsten Neitzel vor Heimabschluss gegen TuS Erndtebrück.
Endspurt! Drei Meisterschaftsspiele und das Pokalfinale bei Rot-Weiß Oberhausen stehen für Rot-Weiss Essen noch an, dann ist die Saison 2017/2018 Geschichte. Schon am Samstag gegen den bereits als Absteiger feststehenden TuS Erndtebrück tritt die Mannschaft von RWE-Trainer Karsten Neitzel zum letzten Mal an der Hafenstraße an. Keine Frage, dass sich die Rot-Weissen fest vorgenommen haben, mit einem Sieg für einen gelungenen Abschluss vor eigenem Publikum zu sorgen. Im Interview nimmt Karsten Neitzel ausführlich Stellung zur aktuellen Situation.

Chef-Trainer Karsten Neitzel tritt mit seiner Elf am Samstag ein letztes Mal in der laufenden Saison an der Hafenstraße an.

Hallo Karsten! Die Saison neigt sich ihrem Ende entgegen. Mit dem Niederrheinpokal-Finale bei Rot-Weiß Oberhausen wartet am 21. Mai aber noch ein echter Höhepunkt. Dienen die drei letzten Punktspiele in erster Linie der Vorbereitung auf das Finale?

Nein, das sehe ich nicht so. Zum einen ist unser Kader durch einige Ausfälle nicht so groß, dass wir ständig wechseln können. Zum anderen liegen zwischen unserem letzten Ligaspiel in Düsseldorf und dem Pokalfinale immerhin neun Tage. Das sollte Zeit genug sein, um sich zu regenerieren und gezielt auf das Duell mit RWO vorzubereiten.

Das jüngste RWE-Gastspiel in Oberhausen liegt nur wenige Tage zurück. Welche Erkenntnisse hat das 1:1 mit Blick auf das Pokalfinale gebracht?

Da sollte man nicht zu viel hineininterpretieren. Für das Pokalfinale haben beide Mannschaften sicher noch die eine oder andere Option. Auch vom Charakter, von der Anspannung und von der Atmosphäre her wird es sicher noch einmal ein ganz anderes Spiel. Da hat das Ergebnis aus dem Ligaduell keine Relevanz mehr, zumal sich die beiden Mannschaften ohnehin sehr gut kennen. Es geht so oder so wieder bei Null los.

Dennoch war es nicht schlecht, in Oberhausen schon mal eine gute Visitenkarte zu hinterlassen, oder?

Das war selbstverständlich auch unser Ziel. Dabei hat mir besonders gut gefallen, wie dominant wir in der zweiten Halbzeit aufgetreten sind und dass wir auch nach dem 1:1 sofort nachgesetzt haben, um die Partie nach Möglichkeit noch für uns zu entscheiden. Durch Kai Pröger und Marcel Platzek hatten wir sogar noch die eine oder andere Möglichkeit zum Siegtreffer. Da mussten wir von der Bank aus die Jungs fast noch bremsen, in der Schlussphase die Balance zu bewahren und nicht zu viel zu riskieren. Grundsätzlich ist es aber ein guter Charakterzug des Teams, unbedingt gewinnen zu wollen.

Das dürfte auch für die drei verbleibenden Meisterschaftsspiele gelten. Was habt Ihr Euch vorgenommen?

Wir wollen aus jeder Begegnung das Bestmögliche herausholen. Das gilt natürlich besonders für unser anstehendes Heimspiel gegen den TuS Erndtebrück, zumal wir unsere Fans in dieser Saison gerade an der Hafenstraße nicht allzu sehr verwöhnt haben und der Verein alles getan hat, um für eine möglichst große Kulisse zu sorgen. Da wäre es schon wichtig, zum Abschluss einen Dreier einzufahren. Grundsätzlich möchte ich, dass wir die Handbremse in den Köpfen lösen und möglichst flüssigen Fußball nach vorne spielen und dadurch schwerer auszurechnen sind. Das Spiel gegen den Ball klappt schon sehr gut. Bei eigenem Ballbesitz haben wir noch Luft nach oben, sollten auch noch kreativer werden. Von jedem Spieler erwarte ich, dass er sich weiter voll reinhängt. Sollte jemand meinen, die Füße hochlegen zu können, dann gibt es richtig Ärger. Das kann ich mir aber nicht vorstellen.

Du hast bereits die etwas dünne Personaldecke bereits angesprochen. Wie ist der aktuelle Stand?

Wir hatten zuletzt nur 16 Feldspieler und zwei Torhüter im Training. Das reicht exakt, um den Kader zu besetzen. Mit Marcel Lenz, Roussel Ngankam und Cedric Harenbrock kann in dieser Saison definitiv nicht mehr planen. Etwas Hoffnung haben wir, dass Jan-Steffen Meier nach seiner schmerzhaften Prellung am Mittelfuß zumindest in den nächsten Tagen wieder in das Training einsteigen kann. Er könnte für das letzte Ligaspiel in Düsseldorf und für das Pokalfinale dann noch eine wertvolle Alternative sein.

Könnte der eine oder andere Spieler aus der erfolgreichen U19 nach dem bereits perfekten Aufstieg in die A-Junioren-Bundesliga in den Kader aufrücken?

Wir schauen uns die Jungs regelmäßig im Training an. Zuletzt waren etwa Simon Skuppin, Nicolas Hirschberger und Mervan Aydin, der ja sogar noch zu den Jungjahrgängen der U19 gehört, bei uns dabei. Sie machen ihre Sache gut.

Wie bewertest Du insgesamt die Erfolge der Nachwuchsabteilung?

Dass die U19 und auch die U17 künftig wieder in der höchsten deutschen Spielklasse mitmischen, ist für einen Regionalligisten alles andere als selbstverständlich und erleichtert mit Sicherheit die Suche nach dem einen oder anderen Talent. Mein herzlicher Glückwunsch geht an alle Beteiligten. Jetzt sollten wir alle gemeinsam daran arbeiten, diesen optimalen Unterbau für die erste Mannschaft zu hegen und zu pflegen.

Mit Florian Bichler, der von Deinem ehemaligen Verein SV 07 Elversberg an die Hafenstraße wechselt, steht der erste Neuzugang für die kommende Saison fest. Was dürfen die Fans von ihm erwarten?

Flo ist ein sehr schneller und wendiger Spieler, der sich voll in den Dienst der Mannschaft stellt und sich für keinen Weg zu schade ist. Außerdem ist er extrem bissig in den Zweikämpfen und wird uns mit seiner Mentalität weiterbringen.

Wie zufrieden bis Du insgesamt mit dem Stand der Kaderplanung?

Mit den bisher unter Vertrag stehenden Spielern haben wir schon mal ein gutes Gerüst. Darüber hinaus laufen noch viele Gespräche, es wurden zahlreiche Kontakte geknüpft. Ich kann zwar noch nicht allzu viel verraten, aber der eine oder andere Neuzugang wird schon noch hinzukommen. Auf jeden Fall werden wir alles dafür tun, um ein schlagkräftiges Team zusammenzustellen.

Mit welcher Kadergröße planst Du?

Auch da bitte ich um Verständnis, möchte mich nicht festlegen. Wir schauen, was der Markt und was unser Budget hergeben. Dabei habe ich durchaus die Erfahrung gemacht, dass man nicht sofort alle Möglichkeiten ausreizen sollte. Es kann sich lohnen, bei der einen oder anderen Personalie auch mal bis August zu warten.