„Freitagabend unter Flutlicht: Das ist Fußball pur“

RWE-Trainer Sven Demandt vor dem Revierderby gegen die SG Wattenscheid 09.

Sven Demandt im Interview vor dem Heimspiel gegen die SG Wattenscheid 09.

Die Hinrunde in der Regionalliga West neigt sich langsam, aber sicher dem Ende entgegen. Das heutige Derby gegen die SG Wattenscheid 09 ist bereits das vorletzte Heimspiel der ersten Serie. Insgesamt stehen allerdings bis zur Winterpause noch vier Ligapartien im Stadion an der Hafenstraße auf dem Programm. Dreimal in Folge (außerdem noch gegen die TSG Sprockhövel/11. November und den SC Wiedenbrück/25. November) geht es dabei am Freitagabend unter Flutlicht zur Sache. Warum ihm das besonders gut gefällt und was er von der morgigen Partie gegen unseren Nachbarn aus der Lohrheide erwartet, verrät uns RWE-Cheftrainer Sven Demandt im ausführlichen Interview mit der „kurzen fuffzehn“.

 

Hallo Sven! In der RWE-Offensive ist der Knoten geplatzt. Nach zehn Treffern in den ersten zehn Saisonspielen „klingelte“ es zuletzt in nur zwei Partien ebenfalls zehnmal im gegnerischen Gehäuse. Was ist passiert?

(lacht) Ketzerisch könnte ich sagen, dass wir die Tore etwas schlecht verteilt haben. Sonst wäre der eine oder andere Punkt mehr auf unserem Konto. Aber Spaß beiseite: Wir hatten uns auch in den Wochen zuvor eigentlich immer genug Chancen erarbeitet, waren aber nicht so effektiv wie in den letzten beiden Spielen. Erfreulich war für mich vor allem, dass unsere Stürmer getroffen haben und wir auch endlich nach Standardsituationen torgefährlich und auch erfolgreich waren. Darauf lässt sich auf jeden Fall aufbauen.

 

Besonders im Blickpunkt stand Neuzugang Roussel Ngankam, der gegen Köln und Siegen jeweils einen Doppelpack schnürte. Was war entscheidend für den deutlichen Aufwärtstrend?

Zunächst einmal ist Roussel sehr gut drauf. Sonst erzielst Du als Stürmer solche Tore nach sehenswerten Einzelaktionen wie gegen Köln und Siegen nicht. Ganz wichtig war aber sicher sein wichtiger Führungstreffer beim 4:0 im Pokalspiel gegen die Sportfreunde Baumberg. Das hat ihm Selbstvertrauen und noch einmal einen Schub gegeben. Es ist bei Stürmern schließlich oft so, dass ein Tor weitere Treffer nach sich zieht.

 

Allzu viel hattest Du nach der Partie in Siegen nicht zu meckern. Wo war trotzdem noch Luft nach oben?

Als Trainer findet man immer etwas, was es zu verbessern gibt. Zum einen haben wir in der Anfangsphase der zweiten Halbzeit das Ergebnis zu sehr verwaltet, den Gegner dadurch noch einmal ins Spiel kommen lassen. Da waren wir zu passiv, das war unnötig. Auch bei den Standards der Siegener haben wir uns nicht besonders geschickt verhalten, nicht besonders gut verteidigt.

 

Durch die beiden Siege hat RWE Anschluss an das obere Tabellendrittel gefunden. Der Abstand zur Spitze hat sich aber nur geringfügig verändert, weil die Spitzenmannschaften kaum Punkte liegen lassen!

Ganz ehrlich: Auf die Tabelle schaue ich gar nicht. Dafür sind wir auch zu weit weg von der Spitze. Wir sind gut beraten, uns voll und ganz auf die Partie gegen Wattenscheid zu konzentrieren. Nur dann können wir auch weiter erfolgreich sein.

 

Die Wattenscheider hatten vor Saisonbeginn einen großen personellen Umbruch vollzogen, mischen dennoch weit oben mit. Wie schätzt Du den Gegner ein?

Keine Frage: Neben den zwei, drei Spitzenmannschaften aus Gladbach, Köln und Dortmund, die sich schon ein wenig abgesetzt haben, gehört Wattenscheid 09 zu den besten Teams, die ich in dieser Saison gesehen habe. Ich hatte die Mannschaft beim 5:0 gegen Rot-Weiß Oberhausen beobachtet, das war sicher eines ihrer besten Saisonspiele. Besonders auffällig ist das gute Umschaltspiel. Da müssen wir gewappnet sein. Die Wattenscheider haben es auf jeden Fall geschafft, erneut eine gute Truppe zusammenzustellen.

 

Als Dreh- und Angelpunkt gilt Spielmacher Manuel Glowacz. Wird er eine „Sonderbehandlung“ bekommen?

Davon halte ich nicht viel. Klar ist, dass Glowacz gute Standards schießt. Darauf müssen wir uns einstellen, sollten entsprechend nur wenig zulassen. Noch wichtiger wird es aber sein, dass uns keine leichten Ballverluste unterlaufen. Das könnte schnell bestraft werden.

 

Es ist das zweite Freitagspiel in Serie, in den nächsten Wochen folgen noch weitere. Wie sehr magst Du das?

Ich will nicht sagen, dass ich nicht auch gerne am Samstagnachmittag antrete. Am Freitagabend unter Flutlicht an der Hafenstraße zu spielen, ist aber wegen der speziellen Atmosphäre auf jeden Fall etwas Besonderes. Das ist Fußball pur. Deshalb kann ich auch die Fans gut verstehen, die freitags besonders gerne zu unseren Spielen kommen. Besonders angenehmen ist das Wochenende natürlich, wenn man am Freitag dann auch als Sieger den Platz verlässt. Dafür werden wir alles geben.

 

Torhüter Niclas Heimann war vor dem Siegen-Spiel angeschlagen, meldete sich dann aber rechtzeitig fit. Wie sieht es bei den weiteren Rekonvaleszenten aus?

Kasim Rabihic haben wir in Siegen nicht eingesetzt, weil wir wegen seiner muskulären Probleme kein Risiko eingehen wollten. Kamil Bednarski hatte noch einen Infekt in den Knochen. Beide sollten in dieser Woche aber wieder am Training teilnehmen und wären damit auch morgen wieder Alternativen. Was unsere Langzeitverletzten angeht, ist ein Comeback bei Kai Druschky nach wie vor nicht absehbar. Besser sieht es bei Jeffrey Obst aus, der zumindest ins Lauftraining einsteigt. Vielleicht kann er in einigen Wochen schon wieder mit der Mannschaft trainieren.