"Fans fehlen an allen Ecken und Enden!"

RWE-Cheftrainer Christian Neidhart vor West-Klassiker gegen SC Preußen Münster.

Ist mit der Entwicklung der Mannschaft bisher zufrieden: RWE-Coach Christian Neidhart. (Foto: Endberg)

Es geht weiter Schlag auf Schlag in der Regionalliga West, englische Woche folgt auf englische Woche. Nach sieben Punkten aus den drei Partien gegen die U23 von Fortuna Düsseldorf (2:0), beim Bonner SC (1:0) und zuletzt beim direkten Konkurrenten Fortuna Köln (1:1) stehen für Rot-Weiss Essen erneut drei Punktspiele innerhalb von sieben Tagen an.

 

Auf den Klassiker gegen den SC Preußen Münster (heute, 14 Uhr) folgen die Partie bei der ebenfalls sehr gut gestarteten U23 von Borussia Mönchengladbach (Mittwoch, 21. Oktober, 18.30 Uhr) und das Derby gegen Rot-Weiß Oberhausen (Samstag, 24. Oktober, 14 Uhr). RWE-Cheftrainer Christian Neidhart nimmt im Interview mit der "kurzen fuffzehn" ausführlich Stellung zur aktuellen Situation.

 

Hallo Christian! Im Spitzenspiel bei Fortuna Köln reichte es für RWE zu einem 1:1. War es ein gewonnener Punkt oder war mehr drin?

Sowohl als auch. Fakt ist, dass wir nach unserer 1:0-Führung die Chance hatten, das zweite Tor nachzulegen. Dann wäre es für die Fortuna sicherlich schwierig geworden, noch einmal zurückzukommen. Ärgerlich war auch, dass wir erneut durch einen Distanzschuss den Gegentreffer hinnehmen mussten, denn sonst haben wir nur wenige Tormöglichkeiten der Fortuna zugelassen. Ab dem 1:1 war es dann ein Spiel mit offenem Visier von beiden Mannschaften. Beide haben probiert, die Partie für sich zu entscheiden. Unter dem Strich geht das Unentschieden daher auch in Ordnung. Wir können und müssen damit leben.

 

Hat die Fortuna unter Beweis gestellt, dass sie dauerhaft zu den Konkurrenten um die vorderen Tabellenplätze gehören kann?

Das würde ich schon sagen. Die Stammformation ist für Regionalliga-Verhältnisse sehr gut besetzt, das Spiel hatte auch ein gutes Niveau. Die Kölner haben sich nicht versteckt und versucht, uns durch Pressing früh unter Druck zu setzen. Dennoch hatten wir – wie gesagt – die Möglichkeit, die Partie mit dem 2:0 wohl endgültig auf unsere Seite zu ziehen. Ich gehe auf jeden Fall davon aus, dass Fortuna Köln zum Kreis der Vereine gehören wird, die weiterhin ganz oben mitspielen. Aber da sind noch einige andere.

 

Wen zählst Du noch dazu?

Ich verrate ja kein Geheimnis, wenn ich sage, dass die U23 von Borussia Dortmund um die Meisterschaft mitspielen wird. Außerdem sind neben Fortuna Köln und uns auch der SC Preußen Münster und die U23-Teams von Borussia Mönchengladbach und Fortuna Düsseldorf gut aus den Startlöchern gekommen. Alemannia Aachen wird sicherlich ebenfalls noch weiter nach oben kommen. Aktuell ist das Team ja noch mit zwei oder sogar drei Spielen im Rückstand. Für die Liga ist es auf jeden Fall gut, dass es oben so eng zugeht, das macht die Spielklasse noch interessanter. Wie schwer es auch für die vermeintlichen Spitzenmannschaften ist, Spiele zu gewinnen, hat ja beispielsweise auch das späte 3:2 des BVB II durch einen Elfmeter gegen den FC Wegberg-Beeck gezeigt. In jeder Partie ist volle Konzentration gefragt, um erfolgreich sein zu können.

 

Vor Saisonbeginn hatten nicht viele Experten den SC Preußen Münster für die Spitzengruppe auf der Rechnung. Bist Du auch vom bisherigen Abschneiden des nächsten RWE-Gegners überrascht?

Überhaupt nicht. In Münster wurde aus meiner Sicht nach dem Abstieg aus der 3. Liga mit Sinn und Verstand eine Top-Mannschaft für die Regionalliga zusammengestellt. Das sieht man ja jetzt auch an den Ergebnissen. Einige Transfers sind zwar erst sehr spät über die Bühne gegangen. Es kamen aber viele Spieler mit Drittliga-Erfahrung, einige Leistungsträger aus dem alten Kader sind geblieben. Von daher ist der gute Start wirklich keine Überraschung. Genau wie wir hat auch der SC Preußen als Traditionsverein ganz sicher den Anspruch, aus dieser Liga herauszukommen.

 

Trotz des dichten Terminkalenders trat RWE zuletzt viermal in Folge mit einer nahezu unveränderten Startformation an. Was waren die Gründe dafür?

Ganz einfach. Wir wollten ganz bewusst nicht viel verändern, damit die Mannschaft weitere Stabilität gewinnt. Das hat auch gut funktioniert, wie die letzten Spiele gezeigt haben. Auch während der englischen Woche hat keiner über schwere Beine geklagt. Deshalb gab es für mich auch keinen Grund, große Umstellungen vorzunehmen.

 

Einzige Änderung in Köln war, dass Felix Backszat für den angeschlagenen Joshua Endres ins Team rutschte. Wie sieht es für die Partie gegen Münster aus?

Joshua hatte muskuläre Probleme, verursacht durch eine leichte Zerrung im Oberschenkel. Da wollten wir kein Risiko eingehen. Es war also eher eine Vorsichtsmaßnahme, so dass wir hoffen, dass er uns gegen Münster wieder zur Verfügung steht. Mitte der Woche sollte er wieder in das Training einsteigen, nachdem das Team am Montag und Dienstag, aufgeteilt in zwei Gruppen, einen Laktat-Test absolviert hat.

 

Erstmals zum Einsatz kam gegen die Fortuna der erst kurz vor Ablauf der Transferperiode vom SV Werder Bremen verpflichtete Isaiah Young. Was versprichst Du Dir von ihm?

Isi bringt unheimlich viel Tempo mit, ist dribbelstark und steht durch die in Bremen absolvierte Vorbereitung voll im Saft. Der Junge besitzt großes Potential, das wir zur Entfaltung bringen wollen. Wir sind sicher, dass er uns weiterhelfen wird.

 

Wie waren die ersten Eindrücke bei seinem Debüt?

Er hat gute Ansätze gezeigt und seine Qualitäten angedeutet. Dass auch noch jede Menge Luft nach oben ist, versteht sich von selbst. Er muss schließlich erst einmal unsere Abläufe richtig kennenlernen und sich daran gewöhnen. Dazu kann er sicher noch abgezockter und cleverer im Abschluss werden. Wenn wir das gemeinsam hinbekommen, dann werden wir viel Freude an ihm haben.

 

Im Gegensatz zum Düsseldorf-Spiel dürfen diesmal wieder nur 300 Zuschauer im Stadion dabei sein. Was bedeutet das für das Team?

Es ist auf jeden Fall für uns alle sehr schade, in erster Linie natürlich für unsere Fans. Wer gegen Düsseldorf dabei war, der hat gespürt, dass die Kulisse unserer Mannschaft geholfen und das Team gepusht hat. Die Unterstützung wird uns gegen Münster an allen Ecken und Enden fehlen, aber wir müssen und werden die Situation so annehmen, wie sie ist. In der aktuellen Corona-Lage ist Geduld gefragt. Für alle Beteiligten.