"Das Ziel nie aus den Augen verlieren"

Dauerbrenner Daniel Heber hat mit Rot-Weiss Essen Großes vor.

Alles im Griff: Daniel Heber gewinnt auch den Zweikampf beim VfB Homberg (Fotos: Endberg)

Abwehrspieler Daniel Heber, der schon während seiner Jugendzeit einige Jahre lang in der RWE-Nachwuchsabteilung ausgebildet wurde, hat sich nach seiner Rückkehr zu Rot-Weiss Essen im Jahr 2018 zum unumstrittenen Stammspieler entwickelt. Der inzwischen 26-Jährige hat in dieser Spielzeit als Innenverteidiger noch keine Minute verpasst. Dabei wurde der gebürtige Neusser eigentlich für die rechte Abwehrseite geholt. Im Interview mit der "kurzen fuffzehn" spricht Daniel über seine "Umschulung", die Ziele in der Meisterschaft und die sensationellen Erfolge im DFB-Pokal.

 

Hallo Daniel! Mal ehrlich: Wie schwer fiel es Dir, den Schalter wieder umzustellen und den Alltags-Trainingsbetrieb wieder aufzunehmen, nachdem Ihr den Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen aus dem DFB-Pokal gekegelt hattet?

Die Liga hat bei uns Priorität. Darauf konzentrieren wir uns und darauf liegt auch unser Fokus, weil wir unbedingt in die 3. Liga aufsteigen wollen. Die Partien im DFB-Pokal sind für uns absolute Bonusspiele.

 

Dann bleiben wir zunächst beim "Bonus": Mit wem hast Du die Auslosung des Pokal-Viertelfinales verfolgt und welchen Gegner hast Du Dir gewünscht?

Ich saß mit meiner Verlobten Jule und unseren französische Bulldoggen Ben und Milo in unserer Wohnung in Bergeborbeck pünktlich um 18.30 Uhr vor dem Fernseher. Einen Wunschgegner hatte ich nicht, weil es meistens sowieso anders kommt. (lacht)

 

Wie war Deine Reaktion, nachdem Weltumsegler Boris Herrmann den Zweitligisten Holstein Kiel für Euch aus der Trommel gezogen hatte?

Bei der letzten Auslosung waren wir sofort als erste Mannschaft aus dem Lostopf gezogen worden, diesmal waren wir als drittes Team dran. Ich habe mich vor allem gefreut, dass uns nicht RB Leipzig zugelost wurde. Das wäre der wohl stärkste Gegner gewesen.

 

Wie bewertest Du die Chancen für eine mögliche Halbfinal-Teilnahme?

Die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns gegen einen Zweitligisten durchsetzen könnten, ist zumindest höher einzuschätzen, als wenn wir erneut gegen einen Verein aus der Spitzengruppe der Bundesliga hätten antreten müssen. Grundsätzlich rechnen wir uns immer Chancen aus, egal wie der Gegner heißt. Dennoch gehen wir aber auch gegen Holstein Kiel als krasser Außenseiter in die Partie.

 

Das erklärte Saisonziel des Vereins ist der Aufstieg in die 3. Liga. Welche Rolle spielt vor diesem Hintergrund der DFB-Pokal?

Die Erfolge im DFB-Pokal pushen uns für die Meisterschaft. Der 1. FC Saarbrücken hatte es in der letzten Saison sogar bis in das DFB-Pokal Halbfinale geschafft und ist am Ende in die 3. Liga aufgestiegen. Daraus lässt sich schon etwas ableiten. Wir wollen diese Erfolgsgeschichte möglichst wiederholen."

 

RWE ist jetzt schon seit mehr als einem Jahr ungeschlagen. Was zeichnet die Mannschaft gegenüber der vergangenen Spielzeit aus?

Das Grundgerüst des Teams ist geblieben, daher sind wir eingespielt. Wir stellen die beste Defensive und sind offensiv immer für einen Treffer gut. Neben Simon Engelmann haben wir auch noch weitere gute Offensivspieler, die torgefährlich sind. Das war in der letzten Saison nicht so der Fall.

 

Du bist schon seit Dezember mit vier Gelben Karte vorbelastet. Bei einer weiteren Verwarnung müsstest Du erstmals pausieren. Wie sehr denkt man im Spiel daran?

Klar denke ich daran und werde von meinen Kollegen auch öfter daran erinnert. (lacht) Deshalb gehe ich aber nicht weniger konsequent in einen Zweikampf. Ich hoffe dennoch, dass ich auch in dieser Saison von einer Zwangspause verschont bleibe, weil ich in den letzten Jahren noch wie wegen einer Gelbsperre gefehlt hatte.

 

Du bist der "Dauerbrenner" in der Innenverteidigung, hast in dieser Spielzeit als einziger Spieler in der Liga und im DFB-Pokal noch nicht eine Minute verpasst. Dabei warst Du eigentlich mal als Rechtsverteidiger eingeplant. Wer ist für die "Umschulung" verantwortlich und welche Position spielst Du lieber?

In den Vorbereitungsspielen wurde ich – wie auch schon zu Beginn der letzten Saison – auf der Rechts- und auch auf der Innenverteidiger-Position eingesetzt. Unser Trainer Christian Neidhart war dann der Meinung, dass ich der Mannschaft in der Innenverteidigung mehr helfen kann. Ich fühle mich auf dieser Position auch wohler, weil ich besser in die Zweikämpfe komme und mit meiner Schnelligkeit und Kopfballstärke viele Situationen bereinigen kann.

 

Dein Vertrag bei RWE läuft nach aktuellem Stand bis zum Saisonende. Ist schon absehbar, wie es weitergeht?

Wenn wir aufsteigen, verlängert sich mein Vertrag per Option um eine weitere Spielzeit. Ich würde auf jeden Fall gerne bleiben. Ich fühle mich in Essen pudelwohl und werde alles daransetzen, meine persönlichen und auch die Ziele des Vereins zu erreichen.

 

Du gehörst zu den Spielern, die auch schon die RWE-Nachwuchsabteilung durchlaufen hatten. Was kannst Du den aktuellen Junioren-Kickern für eine mögliche Profikarriere mit auf dem Weg geben?

Es ist immer möglich, seine Träume zu verwirklichen. Dafür muss man gierig und hungrig bleiben, sich selbst motivieren und immer an seine Leistungsgrenze gehen. Auch mit Rückschlägen muss man klarkommen, darf das Ziel nie aus den Augen verlieren.

 

Sprichst Du aus eigener Erfahrung?

Im Jahr 2015 war ich vereinslos und hatte mir bei einem Probetraining beim SV Waldhof Mannheim einen Kreuzbandriss zugezogen. Danach war ich von der Bildfläche komplett verschwunden, brauchte fast zwei Jahre, um wieder Regionalliga-Fußball zu spielen. Ich habe dennoch weiter an mich geglaubt und hart an mir gearbeitet.

 

Nach dem Topspiel gegen die U23 von Borussia Dortmund mussten auch die Partien gegen Rot Weiss Ahlen und den SV Lippstadt abgesagt werden. Wie gern hättet Ihr den Schwung vom DFB-Pokaltriumph mitgenommen?

Es war sehr schade, dass wir jetzt erstmal nicht spielen konnten, aber eben nicht zu ändern. Wir hätten sehr gerne mit einem Sieg gegen die U23 von Borussia Dortmund die Tabellenführung zurückerobert und damit unseren härtesten Konkurrenten auf Distanz gehalten. Wir nehmen die Situation jetzt aber so an, wie sie ist, und werden alles dafür tun, um im Spiel gegen Fortuna Düsseldorfs U23 die drei Punkte einzufahren.

 

Warum wird RWE am Saisonende die Meisterschaft und den Aufstieg in die 3. Liga feiern?

Weil wir der beste Verein in der Regionalliga West sind, die beste Fan-Base und individuell die stärksten Spieler haben. Außerdem will ich meine Verlobte im Sommer möglichst nach dem Aufstieg in die 3. Liga heiraten.