"Dafür sorgen, dass sich Pokalfight entwickelt"

RWE-Cheftrainer Christian Neidhart vor Duell mit Arminia Bielefeld im DFB-Pokal.

Christian Neidhart im Interview vor der Partie gegen Arminia Bielefeld. (Foto: Endberg)

Sind aller guten Dinge drei? Schon mit seinen vorherigen Vereinen SV Wilhelmshaven und SV Meppen stand Trainer Christian Neidhart in der ersten Runde des DFB-Pokals, musste sich aber jeweils den favorisierten Profiklubs FC Augsburg (0:2) und 1. FC Köln (0:4) geschlagen geben. Jetzt nimmt der 51-jährige Fußball-Lehrer mit Rot-Weiss Essen einen weiteren Anlauf, um sich am Montag, 18.30 Uhr, im Duell mit Bundesliga-Aufsteiger Arminia Bielefeld erstmals für die zweite Runde zu qualifizieren. Wie Neidhart mit seinem Team eine Überraschung schaffen will, verrät er im aktuellen Trainerinterview.

Hallo Christian! Nach dem ersten Ligaspiel gegen den SC Wiedenbrück geht es für RWE gleich mit dem DFB-Pokal weiter. Ist diese Umstellung ein Problem?
Gar nicht. Wir freuen uns sehr auf das Pokalspiel gegen Arminia Bielefeld. Das Duell mit einem Bundesligisten haben wir uns durch die beiden Siege im Niederrheinpokal erst hart erarbeitet. Der Auftritt im DFB-Pokal ist der verdiente Lohn dafür.

Die Arminia ist nach elf Jahren Abstinenz in die Bundesliga zurückgekehrt. Wie schätzt Du die Mannschaft des früheren RWE-Profis und -Trainers Uwe Neuhaus ein?
Die Bielefelder verfügen über eine gestandene und gewachsene Mannschaft. Sie sind nicht von ungefähr souverän aufgestiegen.

Wie groß ist der Klassenunterschied?
Es trifft ein Regionalligist auf einen Bundesligisten. Von daher sind die Rollen klar verteilt. Allerdings kennen wir es ja auch selbst aus dem Verbandspokal, wenn wir in der Regel als Favorit ins Rennen gehen. Wenn du den Gegner unterschätzt, dann ist der Unterschied plötzlich gar nicht mehr so groß.

Für die Arminia ist es das erste Pflichtspiel der Saison. Wie gut bist Du über den Gegner informiert?
Wir haben sämtliche Vorbereitungsspiele der Bielefelder gesehen, waren zuletzt auch beim 1:1 gegen den FC Groningen noch einmal selbst vor Ort. Wir sind also gut im Thema.

Wie könnte das Rezept für eine Überraschung lauten?
Es wird definitiv wichtig sein, defensiv stabil zu stehen und möglichst lange die Null zu halten. Dadurch können und wollen wir dafür sorgen, dass sich ein echter Pokalfight, im besten Fall ein Pokalkrimi, entwickelt. Wenn uns das gelingt, ist sehr viel möglich. In jedem Jahr gibt es im DFB-Pokal die eine oder andere Überraschung. Vielleicht sind wir diesmal dran. Wir werden auf jeden Fall alles versuchen.

Wie schwer wiegt der Nachteil, dass die Fans nicht dabei sein können?
Das ist schon sehr, sehr schade. Vor allem, wenn man sieht, dass in einigen Bundesländern bereits 5.000, 7.500 oder noch mehr Zuschauer in den Stadien zugelassen werden. Aber wir können die Situation nicht ändern und müssen sie so annehmen. Dass uns die Fans gerade in einem Duell mit einem höherklassigen Gegner besonders fehlen, dürfte klar sein.

Kannst Du bis auf den langzeitverletzten David Sauerland auf den kompletten Kader zurückgreifen?
Ich hoffe es. Kevin Grund hatte im Training einen Pferdekuss abbekommen, musste die folgende Einheit dann auch wieder abbrechen. Da müssen wir abwarten. Sonst sind alle Spieler einsatzbereit.

Der Spieltermin am Montag ist ungewohnt. Wie sah die Vorbereitung aus?
Wir hatten am Dienstag und Mittwoch jeweils zweimal intensiv trainiert. Nach dem freien Donnerstag begann dann die spezielle Vorbereitung auf das Pokalspiel. 

Könnte ein Überraschungs-Erfolg im DFB-Pokal dem Team noch einen weiteren Schub für die Meisterschaftsspiele geben?
Ein Nachteil kann es definitiv nicht sein, wenn wir die zweite Runde erreichen. Von daher hätte ich nichts dagegen einzuwenden. (lacht) Grundsätzlich wissen wir aber, dass wir auch und gerade in den Ligaspielen die richtige Mentalität und immer unsere bestmögliche Leistung benötigen, um auf Dauer erfolgreich sein zu können.

Beim 1:1 im ersten Ligaspiel gegen den SC Wiedenbrück war das zumindest in der Schlussphase nicht mehr der Fall!
Das stimmt und das haben wir auch mit der Mannschaft intensiv aufgearbeitet. Auf den Bildern war klar zu erkennen, dass wir zu passiv waren und plötzlich angefangen haben, lange Bälle zu spielen. Das war total unnötig und hat den Gegner erst stark gemacht. Das lag komplett an uns. Ich denke, die Analyse wird fruchten und hat jedem Einzelnen vor Augen geführt, dass wir ein anderes Gesicht zeigen müssen, wenn wir unsere Ziele erreichen wollen.