"Brauchen eine gemeinsame Anstrengung"

Marcus Uhlig spricht im Interview über die aktuellen Überlegungen an der Hafenstraße.

Marcus Uhlig gibt einen Einblick in die aktuellen Überlegungen an der Hafenstraße. (Foto: Endberg)

Der Sport ist derzeit auch bei Rot-Weiss Essen in den Hintergrund geraten. Die Ausbreitung des Coronavirus und damit verbundene wirtschaftliche Folgen schweben momentan über dem Verein. Marcus Uhlig erläutert im Interview die aktuelle Situation an der Hafenstraße.

Hallo Marcus! Corona ist das dominierende Thema aktuell. Auch Rot-Weiss Essen hat es mit der Aussetzung des Spielbetriebs der Regionalliga West getroffen. Inwiefern beeinträchtigt das Thema die Hafenstraße 97a darüber hinaus?

In der Tat gibt es derzeit auch für uns kaum ein anderes Thema. Corona verändert gerade alles. Unsere Spieler haben vorerst bis zum 22. März kein Mannschaftstraining, sondern arbeiten individuell. Wir haben gestern beschlossen, unseren Fanshop am Stadion zu schließen und stattdessen alles auf unseren Online-Fanshop zu lenken. Dafür berechnen wir keinerlei Versandkosten. Die Geschäftsstellenmitarbeiter – sofern möglich – werden bis auf weiteres von zuhause aus arbeiten. Hinzu kommen natürlich die wirtschaftlichen Auswirkungen, die wir aktuell in dieser sehr dynamischen Lage für alle möglichen Szenarien durchrechnen müssen.
 
Was bedeutet das konkret?

Wir stellen im Vorfeld einer jeden Saison eine Kalkulation auf. Diese umfasst den Zeitraum vom 1. Juli bis zum 30. Juni des Folgejahres. Für Verantwortungsträger im Fußball ist es im Regelbetrieb schon schwierig, mögliche Eventualitäten in eine solche Kalkulation miteinzubeziehen. Eine Situation, wie sie aktuell vorherrscht, konnte jedoch niemand vorhersehen. Wenn es tatsächlich dazu kommen sollte, dass die Saison abgebrochen oder in Geisterspielen zu Ende gespielt wird, dann trifft uns das massiv. Wir reden de facto über einen niedrigen vierstelligen und damit quasi komplett irrelevanten Fernsehgeld-Betrag. Vielmehr generieren wir einen Großteil unserer Einkünfte durch unsere Heimspiele. Da geht es um Tickets, da geht es um Bier und Bratwurst, da geht es um den Einkauf im Fanshop. Und um Sponsoren, die darauf abzielen, dass möglichst viele Menschen ihre Banden-Werbung im Stadion sehen. Wenn es also keine Heimspiele gibt, fehlen in unserer Kalkulation selbstverständlich immense Einkünfte, zumal dieses Geld natürlich auf der anderen Seite bereits verplant ist.
 
Über welche Größenordnung sprechen wir hier?

Das hängt jetzt vom Szenario ab. Spielen wir mal den wirtschaftlichen Worst Case durch, dann haben wir für den Rest der Saison keine Spiele mehr. Das bedeutet in Zahlen ausgedrückt: Uns fehlen mal eben gut eine Million Euro aus den noch ausstehenden Spielen. Und hier sind das Halbfinale und ein mögliches Finale im Niederrheinpokal nicht eingerechnet. Hinzu kommen mögliche Erstattungsforderungen von Sponsoren und Dauerkartenbesitzern. Hier sprechen wir über maximal etwa 1,5 Millionen Euro. Vereinfacht gesprochen: Etwa ein Drittel der Einnahmen stehen gerade „im Feuer“. Das wäre also schon ein äußerst harter Schlag.
 
Das klingt heftig. Müssen wir uns Sorgen um RWE machen?

Wir kommen da durch, benötigen dafür aber die Solidarität der RWE-Familie.
 
Was für Maßnahmen kann man ergreifen, um diese wirtschaftlichen Folgen abzuschwächen?

Dazu beraten wir uns aktuell intern. Diese wirtschaftlichen Überlegungen anzustellen, ist unser Job. Wir wollen RWE so schadlos wie möglich durch diese Krise bringen. Aber klar ist auch, dass das nicht auf die Kosten derer gehen darf, die ebenfalls unter den wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus leiden. Wer es sich leisten kann und seinem Verein unter die Arme greifen möchte, der ist mehr als willkommen. Wir sind gerade dabei, uns etwas einfallen zu lassen. Darüber hinaus wäre jetzt ein guter Zeitpunkt, um Mitglied bei Rot-Weiss Essen zu werden, das Projekt1907 zu unterstützen oder ausgiebig im Onlineshop zu bestellen, wir können jeden Euro gebrauchen. Es wird einmal mehr eine gemeinsame Anstrengung aller Rot-Weissen erfordern, um diese Herausforderung zu meistern.