„Bin stolz, dass ich hier spielen darf“

Seit der U10 spielt Nico Lucas durchgehend für den Traditionsverein von der Hafenstraße. Ein echter Fußballer Marke Rot-Weiss, der seine Heimspiele in der kommenden Saison nicht mehr an der Seumann- sondern der Hafenstraße austragen wird. Während Lucas bereits jetzt häufig mit der Siewert-Elf trainiert, ist er ab dem 1. Juli 2016 auch offiziell fester Bestandteil der 1. Mannschaft. Der 18-Jährige über die Spielanalyse am heimischen Küchentisch, seine Rolle als Küken in der 1. Mannschaft und die Vorfreude auf das Trainingslager in Belek.

Nico Lucas trägt bereits seit der U10 das RWE-Emblem auf der Brust. (Foto: Endberg)

Nico Lucas trägt bereits seit der U10 das RWE-Emblem auf der Brust. (Foto: Endberg)

Mit der U19 stieg der 18-Jährige in der vergangenen Saison in die Junioren-Bundesliga auf. (Foto: Endberg)

Auch in der höchsten deutschen Spielklasse für U19-Junioren spielt die Mannschaft um den defensiven Mittelfeld-Spieler eine gute Rolle. (Foto: Endberg)

Auch in der höchsten deutschen Spielklasse für U19-Junioren spielt die Mannschaft um den defensiven Mittelfeld-Spieler eine gute Rolle. (Foto: Endberg)

Nach seinem Pflichtspieldebüt in der laufenden Saison begleitet Lucas die 1.Mannschaft am Samstag ins Trainingslager nach Belek. (Foto: Endberg)

Hallo Nico! Du absolvierst gerade dein letztes Jahr im Juniorenfußball, bist aber eigentlich schon ein alter Hase wenn es um RWE geht. Ebenso wie viele andere Spieler der U19-Mannschaft. Wie lange spielt der Kern von euch schon zusammen?

NL: Ich selbst bin schon seit der U10 bei RWE. Der größte Teil der Mannschaft seit der U16. Da war ich allerdings schon bei der U17 dabei, aber größtenteils hat sich die Mannschaft da schon zusammengefunden. Emre Demircan hat sogar damals mit mir in der U10 angefangen, war allerdings zwischendurch für ein oder zwei Jahre beim VfL Bochum. Emre hat aber mittlerweile auch schon einige Jugendmannschaften durchlaufen.

Jetzt hat man es ja als Trainersohn häufig nicht leicht. Inwiefern spielt es für dich eine Rolle, dass da dein Vater an der Seitenlinie steht?

NL: Für mich spielt es keine Rolle und für meinen Vater sicherlich auch nicht. Ich glaube wir schaffen das ganz gut, den Fußball losgelöst von der Familie zu betrachten. Aber ich bekomme gerade in schwächeren Phasen schon zu hören: „Ach, der spielt nur, weil sein Vater der Trainer ist.“ Ich habe gelernt damit umzugehen. Für mich ist es vielleicht sogar am härtesten, den Trainer nach dem Training noch immer neben mir zu haben (lacht). Da findet die Spielanalyse manchmal auch Zuhause statt. Nein, im Ernst: Ich glaube, dass ich davon profitiere.

Du hast es gerade schon erwähnt, du bist ein Essener Junge. Würdest du dich als RWE-Fan bezeichnen?

NL: Wenn man seit der U10 hier spielt, ist das glaube ich normal. Ich bin häufig im Stadion, war auch früher regelmäßig im GMS. Ich weiß, das sagen viele, aber Rot-Weiss Essen ist kein normaler Verein, sondern ein ganz besonderer und ich bin stolz, dass ich hier spielen darf.

Gab es denn in der Vergangenheit auch schon einmal Angebote anderer Vereine?

NL: Die gab es schon, aber ich fühle mich hier wohl. Das wollte ich nicht aufgeben, auch wenn mal Vereine mit einem größeren Namen als RWE angeklopft haben.

Jetzt starten wir gerade in ein neues Kalenderjahr. Rückblickend dürfte dir persönlich aber einiges aus dem Jahr 2015 in Erinnerung bleiben…

NL: …absolut. Das wichtigste Ereignis war der Aufstieg in die U19-Bundesliga. Ich glaube das war für uns alle und auch für den Verein sehr wichtig. Das letzte Jugendjahr in der Bundesliga zu spielen, tut uns Spielern sicher sehr gut. Aber es gab natürlich auch andere persönliche Highlights wie mein erster Einsatz bei der 1. Mannschaft im Januar 2015 im Testspiel gegen Borussia Mönchengladbach oder auch mein Pflichtspieldebüt im Niederrheinpokal in diesem Jahr.

Was sind denn deine Ziele für das anstehende Jahr? Das dürfte wahrscheinlich nicht minder intensiv für dich werden…

NL: Ich möchte mich erstmal Schritt für Schritt weiterentwickeln und jede Chance nutzen, die sich in der 1. Mannschaft bietet. Die Basis bleibt natürlich die U19, da möchten wir eine gute Rückrunde spielen und an das anknüpfen, was wir in der Hinrunde geleistet haben.

Habt Ihr eigentlich selbst damit gerechnet, so eine gute Rolle in der Junioren-Bundesliga zu spielen?

NL: Wir haben uns das schon zugetraut, allerdings hatten wir natürlich auch Spiele bei denen wir vorher gesagt haben, ‚da holst du eher nichts‘ und nachher haben wir beispielsweise gegen die Blauen einen Punkt geholt und Leverkusen geschlagen. Aber wir sind ganz klar mit dem Ziel in die Saison gestartet, die Klasse zu halten und das ist auch das, was wir in der Rückrunde als erstes klarmachen wollen.

Durch deine Einheiten und Einsätze in beiden Mannschaften kannst du ja ganz gut vergleichen: Was sind die Unterschiede zwischen Junioren- und Seniorenfußball?

NL: Das Körperliche ist in der 1. Mannschaft etwas ganz Anderes. Du musst dich behaupten. Da kommen schon einmal zehn Kilo mehr auf dich zu, da muss man seinen Körper geschickt einsetzen. Auch das Tempo ist viel höher, du musst viel schneller Entscheidungen treffen. Am besten schon, bevor du den Ball bekommst. Insgesamt ist das Niveau einfach höher, das ist top. Das merkt man in jedem Training.

Jetzt bist du in der U19 Kapitän und Führungsspieler, musst vorangehen und kommst dann zur 1. Mannschaft und bist plötzlich das Küken. Ist das eine schwierige Umstellung?

NL: Nein, absolut nicht. Die 1. Mannschaft hat mich super aufgenommen. Mir wurde vom ersten Tag an Hilfe angeboten. Als ich frisch hochkam sind verschiedene Spieler auf mich zugekommen und haben gesagt wenn ich Probleme oder Fragen habe, soll ich kommen, sie würden mich unterstützen. Aber natürlich ist es auch so, dass du als Jüngster spezielle Aufgaben hast und Sachen tragen musst. Das ist aber normal, ist in jeder Mannschaft so und muss auch so sein. Es gibt Spieler, die vorangehen und an denen hast du dich als Nachwuchsspieler zu orientieren. Das gehört sich so.

Du bist nicht nur in deiner letzten Saison im Juniorenfußball, sondern auch im letzten Schuljahr und machst gerade dein Abitur. Da geht es doch wahrscheinlich auch gerade in die heiße Phase. Bekommst du Fußball und Schule unter einen Hut?

NL: Das passt schon. Ich gehe in Essen zur Schule, ich wohne in Essen und ich spiele in Essen Fußball. Die Wege sind kurz. Aber natürlich ist das jetzt in der Schule die wichtigste Phase und auch im Fußball kommt jetzt ein extrem wichtiges Jahr auf mich zu. Aber ich glaube, dass ich das ganz gut meistern kann.

Samstag geht’s nach Belek, auch für dich. Hast du damit gerechnet, dass du mitfahren darfst?

NL: Am Anfang nicht. Als der Trainer aber Anfang der Woche auf mich zukam und gesagt hat, er möchte, dass ich die gesamte Woche oben mit dabei bin, habe ich mir natürlich leise Hoffnungen gemacht. Als er mir dann schließlich signalisiert hat, dass ich auch in der Türkei mit dabei bin, habe ich mich natürlich riesig gefreut. Für mich ist das eine tolle Chance mich zu zeigen und die Mannschaft weiter kennenzulernen, denn ich werde ja auch im nächsten Jahr in dieser Mannschaft spielen. Ich es auch kaum erwarten, dass es Samstag in den Flieger geht.